Neben der Arbeit mit Schulen ist die außerschulische Lyrikvermittlung ein wichtiger Teil von lyrix. In Schreibwerkstätten in Museen, Bibliotheken und anderen Kultureinrichtungen können Kinder und Jugendliche gemeinsam schreiben, zeitgenössische Lyrik kennenlernen und lyrix unabhängig vom schulischen Kontext begegnen.
Asmus Trautsch kümmert sich bei lyrix um diesen Bereich: Er plant und organisiert Werkstätten mit Partnerinstitutionen in ganz Deutschland, entwickelt gemeinsam mit ihnen Formate, sucht passende Workshopleitungen und ist auch selbst regelmäßig als Lyrikvermittler im Einsatz. Darüber hinaus arbeitet er als Lyriker und Philosoph und unterrichtet kreatives Schreiben und Philosophie an Hochschulen.
Im Interview sprechen wir mit Asmus über seine Arbeit bei lyrix, darüber, warum außerschulische Angebote für ihn wichtig sind, was eine gute Schreibwerkstatt ausmacht und wie die Arbeit mit jungen Schreibenden seinen eigenen Blick auf Lyrik verändert hat.
Interview mit Asmus Trautsch

Hallo Asmus, wer bist du und was machst du bei lyrix?
Ich arbeite freiberuflich als Autor: Ich schreibe Gedichte, Essays und philosophische Texte. Dazu konzipiere oder moderiere ich Literaturveranstaltungen und bin Redakteur von zæsur. poesiekritik, einer Online-Zeitschrift für Lyrikkritik. Mindestens ebenso gerne unterrichte ich Philosophie und kreatives Schreiben an Hochschulen und leite Lyrikworkshops für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Das mache ich auch bei lyrix. Zudem organisiere ich Werkstätten und lektoriere unsere Veröffentlichungen.
Du bist Philosoph, Lyriker und Literaturvermittler. Wie sind diese Bereiche für dich miteinander verbunden?
Hey, eine schwere Frage! Zum einen dadurch, dass sie sich für mich im Tun immer wieder neu verknüpfen. Zum anderen lerne ich mehr über mich und die Welt durchs poetische und philosophische Schreiben, ich denke genauer und fühle intensiver. Und das möchte ich in öffentlichen Formaten auch vermitteln und mit anderen diskutieren. Da setzt sich das Gespräch, das ich auch im Schreiben führe, in einer offenen Gemeinschaft fort.
Bei lyrix bist du für die außerschulische Lyrikvermittlung zuständig. Was genau bedeutet das?
Ich plane, wo und mit wem lyrix im Laufe des Kalenderjahrs Werkstätten für kreatives Schreiben ausrichten könnte. Dazu kontaktiere ich Partnerinstitutionen in ganz Deutschland: Museen, Kultureinrichtungen, Bibliotheken. Mit ihnen organisiere ich die Werkstätten, konzipiere eventuell Themenschwerpunkte, suche geeignete Leitungen und bereite die Formate konkret mit vor. Vor Ort bin ich Ansprechpartner für die Teilnehmenden und die Partnerinstitutionen, stelle lyrix und den Bundeswettbewerb vor und unterstütze die Kolleg*innen bei der Durchführung.
Warum sind solche außerschulischen Orte für die Beschäftigung mit Lyrik wichtig?
Uns bei lyrix ist wichtig, dass wir möglichst viele Kinder, Jugendliche und junge Menschen ansprechen. Die außerschulischen Werkstätten sind für alle offen, die in eine Alterskategorie fallen, egal auf welcher Schule sie sind oder ob sie schon einen Schulabschluss haben. Zudem wollen wir vermitteln, dass Lyrik vor allem außerhalb des Klassenzimmers stattfindet – sie ist offen für alle in allen Lebenslagen.
Du leitest selbst regelmäßig Werkstätten. Kannst du dich an einen besonders schönen oder unerwarteten Moment erinnern?
Davon gibt es viele! Ein Moment ist z.B., wenn – wie im Januar 2026 in Stralsund – in einer Werkstatt Gedichte zu Meerestieren geschrieben werden und ein lebhaftes lyrisches Aquarium entsteht. Oder wenn Teilnehmende auf eine Wortverbindung, z.B. einen Reim oder eine Metapher, kommen, die sie selbst überrascht und freut. Besonders berührend ist für mich, wenn junge Menschen in der lyrischen Form etwas von sich zum Ausdruck bringen, das in der Alltagskommunikation verborgen geblieben ist. Dann strahlt etwas Kostbares von ihnen aus den Texten heraus.
Woran merkst du am Ende eines Tages: Das hat funktioniert?
Das merke ich atmosphärisch: durch die gelöste, freie, durchaus auch lustige Atmosphäre, in der eine Werkstatt ausklingt. An beeindruckenden, schönen Texten der Teilnehmenden. Und am Feedback, das sie einander zu ihren Gedichten geben.
Wie hat sich dein Blick auf Lyrik durch die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verändert?
Als ich selbst im Alter derjenigen war, die heute an lyrix-Formaten teilnehmen, ist mir nicht klar gewesen, dass so viele Menschen Lust entwickeln können, lyrisch zu schreiben und Lyrik zu lesen. Ich dachte, Gedichte seien etwas, für das sich die wenigsten erwärmen können. Denn ich kannte so gut wie niemanden, der sie wie ich gerne las oder gar selbst schrieb. Heute sehe ich in den Werkstätten von lyrix, wie viele junge Menschen sich, wenn man ihnen Gelegenheiten dazu eröffnet, einem persönlichen, spielerischen, intensiven und auch verrückten Schreiben öffnen. Wie viele Lust haben, Sprache für viel mehr zu verwenden als zur Erledigung von Aufgaben.
Zum Schluss: Gibt es ein Gedicht, eine*n Lyriker*in oder einen literarischen Ort, den du unseren Leser*innen besonders ans Herz legen möchtest?
Es gibt so viele, dass jede Auswahl ungerecht ist. Aber ich nenne mal drei Gedichte, die zusammen einen Eindruck vermitteln, wie unterschiedlich Gedichte klingen und wie Unterschiedliches sie sagen können: Hugo Balls Karawane, Monika Rincks Zinsverbot und Mascha Kalékos Elegie für Steven.
Und drei gute Orte für Gedichte sind: eine Fabrikhalle, der Bundestag, ein Garten.
Kontakt:
Asmus Trautsch
Lektorat und Programmmitarbeit
asmus.trautsch@bw-lyrix.de
Mehr über die Lyrikvermittlung bei lyrix
Alle Informationen zu unseren Schreibwerkstätten und weiteren Angeboten findet ihr auf unserer Seite Lyrikvermittlung bei lyrix.