In unserer Beitrags-Reihe „Im Fokus“ rücken wir die jüngeren Jahresgewinner*innen 2026 in den Mittelpunkt und möchten die jungen Schreibenden im Mini-Interview genauer vorstellen: Woher kommen ihre Ideen? Welche Zeilen sind ihnen besonders wichtig? Und was bedeutet es für sie, mit Sprache Gedanken und Gefühle auszudrücken? Dies ist der dritte und letzte Teil unserer Serie in diesem Jahr. Viel Freude beim Lesen!
Mit dabei sind diesmal Jarne Munko, Frida Karst, Federico de Vitto und Tonda Montasser. Vielen Dank für eure Gedichte und eure Antworten auf unsere Fragen!
Ein Teil des Gewinns für die 10–14-Jährigen ist übrigens eine digitale Schreibwerkstatt, auf die sich unsere Jahresgewinner*innen im September freuen dürfen. Gemeinsam mit dem Autor Martin Piekar werden sie sich intensiver mit Schreiben und Lyrik beschäftigen.
Alle ausgezeichneten Gedichte in voller Länge stehen hier bereit:
Im Blog: Das sind die lyrix-Jahresgewinner*innen 2026!
Zum Download: Broschüre der 18. Wettbewerbsrunde
Gedicht und Fragen an Jarne Munko
Wie ist die Idee für dein Gedicht entstanden?
Ich habe das Gedicht im Vertiefungskurs Deutsch geschrieben, weil unser Lehrer das als Projekt vorgeschlagen hatte. Der Vertiefungskurs Deutsch ist bei uns an der Schule ein Zusatzkurs, den ich belegen musste, weil ich sonst nicht genug Stunden gehabt hätte. Ich hatte dann die Aufgabe, ein Gedicht zum monatlichen Thema zu schreiben. Auf die Idee bin ich dann spontan gekommen, als ich überlegt habe, was ich mit dem Thema verbinde.
Welche Zeile, welches Bild oder welches Wort aus deinem Gedicht magst du besonders?
Ich mag besonders den letzten Vers meines Gedichts, da er die ganze Situation noch einmal zusammenfasst und ich finde, der Vergleich „wie ein Lied“ ist ein schönes Bild.
Was bedeutet Lyrik für dich?
Lyrik war für mich bis zu diesem Wettbewerb mehr oder weniger nur das anstrengende Thema im Deutschunterricht. Das ist sie zwar immer noch, doch ich habe auch Spaß daran gefunden, selber Gedichte zu schreiben und habe mich sehr gefreut, dass meine Gedichte gut angekommen sind.
Wo oder wie schreibst du am liebsten?
Als ich die Gedichte in der Schule geschrieben habe, habe ich am liebsten draußen geschrieben, weil es dort zum einen sehr angenehm war und ich dort zum anderen viel besser auf Ideen gekommen bin.
Jarne Munko, *2010, Bonn. Auf dem Gymnasium ist er zwei Jahre vor dem Abitur. Im Wald ist er wahlweise zu Fuß mit Collie unterwegs oder auf dem Mountainbike, je nachdem wie viel Tempo der Tag verlangt. In der Freizeit und den Ferien ist er auf dem Fußballplatz oder beim Kitesurfen aktiv. Ansonsten verbringt er seine Zeit mit Freunden oder zu Hause. Dort hört er entweder Podcasts, Hörbücher oder Musik und bringt seine Gedanken in Zeichnungen, Bildern oder Gedichten aufs Papier.

Foto: privat
Gedicht und Fragen an Frida Karst
Wie ist die Idee für dein Gedicht entstanden?
Ich hatte eigentlich gar keinen konkreten Plan. Ich habe mich nur an eine Deutschaufgabe erinnert, die ich in der 7. Klasse mal hatte: Ein Brief ans zukünftige Ich zu schreiben. Und zwischen meinem Ich aus der 7. Klasse und meinem jetzigen liegen Welten, deswegen hat das für mich zum Thema „Brief aus einer anderen Welt“ gepasst.
Welche Zeile, welches Bild oder welches Wort aus deinem Gedicht magst du besonders?
„Mein Kopf ist wie ein Knoten, der entstanden ist, obwohl er eigentlich was ganz anderes werden sollte“
Was bedeutet Lyrik für dich?
Ich fange an zu schreiben, wenn ich irgendein Gefühl habe, das ich nicht erklären kann. Dann schreibe ich einfach drauf los und es fängt an, sich von selbst zu erklären. Lyrik bedeutet für mich, mit Worten Dinge auszudrücken, die ich mit Worten nicht ausdrücken kann.
Wo oder wie schreibst du am liebsten?
Eigentlich egal wo. Aber tatsächlich ziemlich oft im Deutschunterricht oder generell in der Schule, obwohl ich eigentlich anderes zu tun habe.
Zu der Frage, wie: Tatsächlich öfter mit klassischer Musik oder Piano- oder Violinenstücken, das inspiriert mich. Diese Art Musik macht meiner Meinung nach das Gleiche wie das, was ich beim Schreiben empfinde – ganz viele Dinge erklären, ohne sie beim Namen zu nennen.
Frida Karst, *2011, Gießen. Findet in Lyrik, was im Alltag nicht gesagt wird. Lyrik bedeutet für sie, einen Raum zu erklären und nur die Tür zu beschreiben – und trotzdem ist klar, was dahinter liegt. Sie fängt an zu schreiben, wo Gedanken zu laut werden und Gespräche nicht mehr ausreichen.

Foto: privat
Gedicht und Fragen an Federico Di Vitto
Wie ist die Idee für dein Gedicht entstanden?
Das Gedicht ist einfach gesagt eine Beschreibung meines kleinen Aquariums. Da das mein Thema war, eine Sache zu beschreiben, habe ich es gewählt.
Welche Zeile, welches Bild oder welches Wort aus deinem Gedicht magst du besonders?
Besonders gut gefällt mir die Beschreibung meiner Garnele „Heinrich“ (die leider an Altersschwäche verstorben ist; sie hat aber ein gutes Leben geführt) in den letzten paar Zeilen. Aber auch die Wörter „Wutstaubsauger“ und „Regenbogen meines Zimmers“ gefallen mir.
Wo oder wie schreibst du am liebsten?
Ich schreibe immer zu Hause oder zumindest, wo es einen Stuhl, einen Schreibtisch und einigermaßen viel Ruhe gibt.
Federico Di Vitto, *2011, Blaustein. Schreibt Texte, verwirft sie wieder, schreibt sie neu, und merkt, dass die alten oft die besten waren. Hinterfragt alles, selbst das scheinbar Unhinterfragbare, auch seine eigenen Ideen, und schreibt sie trotzdem auf. Die meisten Texte sind fiktiv, manchmal auch bewusst unglaubwürdig. Alles ist mehrdeutig: Bei ihm ist ein Apfel nicht einfach nur ein Apfel. Fast jeder Satz hat mindestens zwei Bedeutungen.

Foto: privat
Gedicht und Fragen an Tonda Montasser
Wie ist die Idee für dein Gedicht entstanden?
Ich kann mich noch gut daran erinnern: Ich war mitten im Wald und plötzlich sah ich in der Ferne einen Wolkenkratzer, der über die Bäume ragte. Ich fand das so erschreckend, dass ich daraufhin dieses Gedicht geschrieben habe.
Welche Zeile, welches Bild oder welches Wort aus deinem Gedicht magst du besonders?
Ich finde die Zeile „Die Hochhäuser essen den Wald auf“ am eindrucksvollsten, weil sie betont, wie wir Menschen einen begrenzten Raum für uns selbst vollständig zerstören und wie schamlos wir dabei eigentlich sind. Ich würde auch noch einmal gerne über den Titel des Gedichts sprechen: „Denn ich bin der Projektleiter dieser Hochhäuser“. Der Titel trägt die Selbsterkenntnis, dass ich (wir alle) verantwortlich bin für die Zerstörung der Natur und die Urbanisierung der Stadt, welche immer hässlicher und grotesker wird. Das Wildschwein mit dem zerbrochenen Rücken symbolisiert hier die Natur, welche sich noch selbst retten will, indem sie sich revolutioniert und versucht, die Natur wieder zu retten – in Verbindung mit den Moosen. Das Wildschwein ist ein sehr starkes und vielen früheren Kulturen heiliges Waldtier.
Was bedeutet Lyrik für dich?
Für mich bedeutet Lyrik, das Innere aus sich herauszuschreiben, denn Lyrik ist der Mensch selbst. Egal, was du schreibst, es ist eine Reflexion deiner selbst und deines Umfelds, und deswegen ist Lyrik auch so wichtig für die Selbstfindung. Natürlich bedeutet Lyrik für mich auch Freiheit, Erleichterung und Freude.
Wo oder wie schreibst du am liebsten?
Ich schreibe am liebsten in der Natur oder zu Hause, wenn es sehr ruhig ist, mit einem Tee und ein paar schönen Vitaminen. Ich schreibe am liebsten auf meinem Laptop, weil ich mir dort mehr Fehler erlauben kann als auf Papier.
Tonda Montasser, *2011, Berlin. Begann im ersten Corona-Lockdown zu schreiben und im zweiten zu dichten. Ausgezeichnet beim Berlin-Brandenburgischen Literaturpreis THEO 2021-25, beim Treffen Junger Autor*innen 2022/24, beim „Connected“-Preis des Bundesministeriums für Entwicklung und Zusammenarbeit 2025 und beim Bundeswettbewerb lyrix 2021-25. Seine Gedichte erschienen zuletzt bei etceterapress, im Signaturen-Magazin und in der manuskripte, in Englischer Übersetzung von Shane Anderson in „Urbane Praxis“. 2021, 2024 und 2025 trat er auf dem internationalen literaturfestival berlin und 2024 auf dem Poesiefestival Berlin auf. Er liebt Schach, Filme, Twin Peaks, Richard Brautigan, Franz Kafka, Sarah Kane und Yu-Gi-Oh-Turniere.

Foto: Karla Montasser