Unsere Gewinner*innen im Januar 2026
Wettbewerb im Januar 2026
Wisst ihr noch am Anfang des Jahres, als 2026 vor euch lag wie eine leere Seite? Als alles möglich schien, aber auch unsicher war? Als erste Schritte noch tastend waren und nicht klar, wohin sie führen würden? Unter dem Thema „Serious Business“ haben wir euch im Januar eingeladen, genau darüber zu schreiben: über das Wagnis, etwas Eigenes zu beginnen, über Zweifel und Aufbrüche, über das Fallen und Wiederaufstehen. Kreative Impulsgeberin des Monats war die Musikerin Andreya Casablanca mit ihrem Song „Once You Laugh“. Mit ihren Texten überzeugen konnten Katharina Arnold, N. Beckel, Kaoli Fürch, Viktoria Ganahl, Pauline Lätsch und Sarah Zeiss. Wir gratulieren ganz herzlich zum Monatsgewinn im Januar zum Thema „Serious Business“!
kurz davor
Katharina Arnold
2007
ich wache auf
jeder morgen ein überfall
licht bricht ein ohne zu fragen
liegt auf dem boden
wie ein versprechen, das niemand abholt
die sonne hängt am himmel wie ein befehl,
und ich gehorche
der morgen sitzt schon am tisch
mit nassen haaren,
als hätte er hier geschlafen
die zeit zieht sich an
ohne mich auch nur eines blickes zu würdigen
in meinem körper hängen letzte träume
wie jacken an fremden haken
sie riechen nach flur
nach angst
nach etwas, das nicht passiert ist
bilder kleben wie schmutz
unordentlich
mit offenen wunden und absurden versprechen
wie deine hände auf meinem rücken
ich dusche sie mir vom leib
sie rinnen ab
schreien leise
der tag öffnet sich
nicht weit
nur so
dass ich hindurchpasse
ich trete ein
mit gedanken, die zu groß sind,
und schuhen die noch gestern kennen
stunden beginnen sich zu falten
wie papierboote
auf einer straße aus beton
ich lasse sie fahren
ohne ziel
erst am abend,
als ich still werde,
verstehe ich langsam,
dass ich hätte umkehren können,
oder bleiben,
oder etwas beginnen,
die zeit hätte es ausgehalten
sie tut es immer
Zauberwürfel
N. Beckel
2006
6/365: Ich habe
die Heidelbeere
im Zug verloren
und auf der Suche
zerquetscht.
-7/365: Weiß zieht,
ich bewege die Figur,
weil ich immer Weiß spiele;
der Sieg trägt
sich selbst am schnellsten ab.
Sauerstoff
rinnt in den Ecken
durch den Teppich —
Eröffnung,
und ich setze mich auf
den vorgewärmten Stuhl;
mein eigenes Flüstern
klackert
an den Wänden.
Im September
barfuß über Stoppelfelder,
Fallobst in beiden
Händen.
Ich wringe
dessen Saft aus
über Kolben und Korn,
bis der Mais brandig wird
auf der Zunge.
-35/365: Die Samen sind
an ihren Rändern
lose vernäht
mit der Haut.
Meine Fußsohlen
bluten auf dem
vereisten Schotter.
Bis zum Winter
sind die Truhen geleert,
am Bahngleis wartet niemand.
Ein Januarhimmel zieht auf
an meinem Horizont,
aber ich halte
die Luft an.
Zwischen heute und gestern,
das silberne Narbengeflecht stumm
über mir;
2/365: Wann fängt morgen an
zu existieren?
In der Bitterkälte
verschwinden
meine Spuren
mit dem nächsten Schneefall.
Bevor ich gehe,
presse ich
meinen Handschuh
auf einen verschneiten
Baumstumpf.
Januarmorgen, 26/365:
Der Schneematsch
blutet
durch meine Sneaker.
Ich habe
den Zauberwürfel gelöst,
will ihn lächelnd
wieder entlösen,
aber mein König auf e1
ist umzingelt von den blauen Feldern.
Einmal drehen, Weiß zieht:
Narrenmatt.
Nachts spielten zwei Schafe
Kaoli Fürch
2006
Nachts spielten zwei Schafe miteinander
Und das eine fiel
nach einem Sp
Rung
auf den Rücken
Die vier Hufe zeigten in den Himmel
und es konnte nicht von selbst aufstehen
Es sah zum ersten Mal die
Sterne
und eine Boeing 737
reviermarkierung 2026
Viktoria Ganahl
2006
in das weichgesessene von bahnärschen durchknetete gummi
unter den sitzplätzen der straßenbahn markieren meine daumennägel auf beiden seiten
das revier meiner vorsätze
pressen durch den dreckfilm bis auf die andere seite
wo der stahl beginnt
während meine augen das seitliche glas der straßenbahn
durchqueren und mit der halbnackten frau
an der haltestelle der c4
einen kreistanz tanzen
der rechte nagel löst sich führt die hand in die fusselige jackentasche und schenkt dem
kontrolleur einen lolli
happy new year sagt mein mündiger mund, und neujahresneue doch geläufige beine hüpfen in einem satz die geöffnete tür
und ich hinterlasse zwei daumennagelbreite einkerbungen in der straßenbahn
versprechen an 2026, gut gekleidete blicke und hörige ohren und
und nie wieder
etwas NÜTZLICHES tun.
Januar im Gegenüberfluss
Pauline Lätsch
2006
Im SPIEGEL gegen
EXPRESSIONISTISCHE GESPENSTER gewinnen
gehört dazu
Genau, genau
Ab geht die Post! Ewig rein in die MAUSEFALLE
Geht so, geht so. Gerutscht, gerutscht.
Meine VORSÄTZE?
ALLES, was mir vorgesetzt wird.
Hauptgang:
REBELLION
Dessert:
Mhhh, Toblerone mit intensiver Sahne-Waffel, ausgezeichnet!
in meiner schneekugel
Sarah Zeiss
2009
warte auf der andren seite
von immer bis morgen
grübchen zwischen poren
nachschmecken
für ein jahr
wie die hinterste
pate feuillté
aus dem kühlregal
freonatem
neben der
bordsteinhalsfigur
ich trinke schneller
weil das klima bunsenbrennert
immer schneller
und ich nicht will dass
deine halskule
voll mit wasser
schmecke schneller nach Sie
riecht nach fliedertee und
du drehst deine
knie
von innen
weil sie weiß dass
ich nur leise in die
lüftungsschlitze heule
und du trinkst weiter
weil sie dir verschweigt dass
ihr hals nur
schuppenlore, dossenheim
ausfahrt gesperrt
und ich wische mit einem
tampon ihre reste nach sie
frisst ader um
kaschmirschal
heißgeschnitten
unter die schulbank geflochten bis
die polymere reißen und ich trinke
hexafluor aus einer pet-flasche
um mir versprechen zu können dass
du
nicht
der pfand