das hält

DAYS HOURS, MINUTES, und  SECS
[[deadline:2026-05-31 24:00:00]]

Habt ihr schon einmal etwas entdeckt, das eigentlich unsichtbar war? Ein Zeichen, das erst im richtigen Moment auftaucht, und plötzlich eine Bedeutung bekommt?

Erst im Regen tauchen die Botschaften auf dem Gehweg auf, von Waka Seattle Video Production auf YouTube

Wenn etwas erst im Regen sichtbar wird
Manche Zeichen sieht man nicht sofort. Sie sind schon da, aber man muss sie erst entdecken. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Rainworks: In verschiedenen Städten werden Wörter oder kleine Zeichnungen auf Gehwege aufgetragen, die im Trockenen unsichtbar bleiben. Erst wenn es regnet und der Asphalt nass wird, tauchen die Botschaften plötzlich auf.

Das funktioniert, weil die behandelten Stellen Wasser anders aufnehmen als der restliche Boden. So entsteht ein Bild – aber nur für kurze Zeit. Sobald alles wieder trocknet, verschwindet es wieder. Wie das genau funktioniert, könnt ihr hier nachlesen: https://rain.works/

Diese Zeichen sind also nicht immer sichtbar. Sie warten auf den richtigen Moment. Und vielleicht auch darauf, von genau der richtigen Person entdeckt zu werden.

Spuren setzen – Özlem Özgül Dündar
Auch im Gedicht von Özlem Özgül Dündar, das wir euch diesen Monat vorstellen, geht es um Zeichen. Immer wieder werden sie gesetzt: auf Straßen, auf Brücken, im Asphalt.

Diese Zeichen entstehen nicht einfach so. Sie werden mit dem Körper gemacht: eingerieben, gedrückt, in die Oberfläche hineingearbeitet. Es sind Spuren, die zeigen: Hier war jemand. Gleichzeitig helfen sie dabei, sich zu orientieren: zu wissen, wo man ist und wohin man geht.

Und dann heißt es: „das hält“. Das kann vieles bedeuten: Vielleicht hält das Zeichen selbst. Vielleicht die Erinnerung daran. Oder vielleicht etwas, das zwischen Menschen entsteht und bleibt.

Eure Schreibaufgabe im Mai:
Manche Zeichen sind verborgen; man muss sie erst entdecken. Sie stecken in Symbolen oder kleinen Gesten. Schreibt ein Gedicht über geheime Zeichen, Spuren oder Botschaften. Vielleicht gibt es ein Zeichen, das nur ihr versteht. Oder ihr hinterlasst eines für jemanden, der es finden soll. Wo taucht euer Zeichen auf? Wer hat es gemacht? Und wann wird es sichtbar – vielleicht erst im Regen oder nur für eine bestimmte Person? Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, euer eigenes Zeichen zu setzen!


das hält

Özlem Özgül Dündar

ich sage du kannst darauf b
auen in der stadt die mich be
wegt mich dreht in spiralen s
ich selbst dreht mich verdr
eht auf ihren straßen setze ic
h ein zeichen auf ihren brüc
ken setze ich ein zeichen auf
ihren beiden kontinenten set
ze ich ein zeichen mit spuck
e reibe ich zeichen in ihren
asphalt damit ich weiß wor
auf ich gehe damit ich weiß w
ohin ich gehe u reibe tief in
die struktur damit es hält dar
auf kannst du bauen das hält
für die ewigkeit in der stadt d
ie sich bewegt u verdreht se
tze ich ein zeichen das hält f
ür

aus: Özlem Özgül Dündar, gedanken zerren, Elif Verlag – Nettetal 2018

Über Özlem Özgül Dündar

Özlem Özgül Dündar, Foto: Dirk Skiba

Özlem Özgül Dündar schreibt Lyrik, Prosa, Theaterstücke, Hörspiele und Essays. Sie veröffentliche den Gedichtband „gedanken zerren“ (Elif 2018), ist Mitherausgeberin der Anthologie „Flexen – Flaneusen* schreiben Städte“ (Verbrecher 2019). Sie performt mit ihren Kollektiven Ministerium für Mitgefühl und kollektiv flexen. Sie erhielt u.a. den Kelagpreis in Klagenfurt 2018, bestes Hörspiel des Jahres 2020 und den Kaas & Kappes Kinder- und Jugenddramatikerinnen Preis 2024. Derzeit ist sie Stipendiatin des Deutschen Literaturfonds. 

Video-Clips zum Monatsthema:
Gedicht-Lesung und Mini-Interview mit Özlem Özgül Dündar

Schreibe, um zu träumen.