Dieses Gedicht ist nicht besonders
Die Jury hat entschieden!
Die Gewinner*innen werden bald bekannt gegeben.
DAYS
HOURS,
MINUTES,
und
SECS
[[deadline:2026-10-31 24:00:00]]
Kann eine Maschine ein Gedicht schreiben? Sie kann Wörter zu Versen zusammensetzen und auf Wunsch immer neue Vorschläge machen. Aber woher kommen die Ideen dafür? Und wer entscheidet, welche Wörter bleiben, welche verschwinden und was am Ende daraus wird?

Wenn Geier, Menschen und KI zusammenarbeiten
In einer GEO-Reportage erfahrt ihr, wie Forschende in Uganda mit Geiern und KI zusammenarbeiten. Die Vögel fliegen ihre eigenen Wege und entdecken dabei Dinge, die Menschen am Boden leicht übersehen. Die Sender zeichnen Bewegungen und Bilder auf. Eine KI hilft anschließend dabei, die Daten auszuwerten: Hat ein Geier vielleicht gerade etwas zu fressen gefunden? So können die Forschenden im besten Fall schneller bemerken, wo ein Tier durch Wilderei getötet wurde.
Die Geier wissen nichts von den Plänen der Forschenden. Die KI fliegt nicht selbst durch den Nationalpark. Und die Menschen könnten ohne die Vögel vieles nicht beobachten. Erst zusammen entsteht eine neue Möglichkeit, die Umgebung zu erkunden.
Auch beim Schreiben können verschiedene Dinge zusammenkommen: Wörter, die ihr irgendwo aufgeschnappt habt, Vorschläge einer Maschine und eure eigenen Einfälle. Was macht ihr daraus?
Ein Gedicht, das über sich selbst spricht: Bastian Schneider
„Dieses Gedicht ist kein / Large Language Model“, heißt es gleich am Anfang unseres Monatsgedichts. Das Gedicht vergleicht sich mit einer KI und scheint sich lieber klein zu machen. Es nennt sich „nicht besonders / schlau“, spricht leise und wird an anderen Stellen ziemlich frech.
Dabei tut es etwas, das eine Maschine nicht von allein beschließt: Es behauptet etwas über sich selbst und überrascht uns mit seinen Wendungen. Oder sollten wir sagen: Bastian Schneider hat diese Wörter ausgewählt und so angeordnet, dass das Gedicht zu sprechen scheint? Wer spricht eigentlich, wenn ein Gedicht „ich“ sagt?
Eure Schreibaufgabe im Oktober:
Lasst in einem Gedicht verschiedene Stimmen oder Wörter zusammenkommen. Sammelt zum Beispiel einen Satz, den ihr gehört habt, ein Wort von einem Schild und einen eigenen Gedanken. Ihr könnt die Wörter verändern, wiederholen oder an ungewohnte Stellen setzen. Wenn ihr möchtet, lasst ihr euch zusätzlich von einer KI Wörter vorschlagen.
Aus dem gesammelten Material soll euer Gedicht entstehen: Vielleicht spricht es selbst über sich. Vielleicht streiten die Wörter darüber, wer hier das Sagen hat. Oder eine Maschine schlägt etwas vor und euer Gedicht antwortet ihr.
Welche Entscheidungen trefft ihr beim Schreiben und was passiert, wenn die Wörter plötzlich etwas anderes sagen, als ihr erwartet habt?
Wir freuen uns auf eure Gedichte!
Ihr dürft Wörter und kurze Sätze aus eurer Umgebung verwenden und euch auch von einer KI etwas vorschlagen lassen. Probiert aus, was ihr daraus machen könnt. Wenn ihr KI benutzt habt, gebt bei der Einsendung im Formular kurz an, wobei sie euch geholfen hat.
Hinweis auf potenziell belastende Inhalte
Bastian Schneider
Dieses Gedicht ist kein
Large Language Model.
Es macht sich lieber klein,
so klein, dass nur noch Gott hineinpasst,
wenn es ihn denn gibt, dann nur
im kleinsten Wort, der kleinsten Silbe – A und O.
Die Großmäuler und ihre Pläne
hängen fest in hohlen Phrasen
und schubsen sich von 1 auf 0,
dass ihnen hoffentlich die Luft ausgeht.
Dieses Gedicht ist nicht besonders
schlau. Es redet leise ungefragt
von grandiosen Idioten, die das Gedicht
wohl niemals lesen werden
und würden sie es doch,
wär’s für nen Bruchteil still vielleicht –
Zimzum, denn das Gedicht ist auch nicht dumm.
Bastian Schneider, unveröffentlichtes Gedicht,
Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Über Bastian Schneider

Bastian Schneider wurde 1981 in Siegen geboren. Er studierte deutsche und französische Literatur in Marburg und Paris sowie Sprachkunst in Wien. Er schreibt Gedichte und Prosa und lebt in Köln und Wien. Zu seinen jüngeren Büchern gehören der Gedichtband TAG AM POOL (2024), das Zollstock Alphabet (2024) und der Roman Umschreibung (2026). Für seine Texte erhielt er unter anderem den Dresdner Lyrikpreis und den Reinhard-Priessnitz-Preis.