Unsere Gewinner*innen im Januar 2026

Wettbewerb im Januar 2026

Mit dem Thema „Serious Business“ sind wir ins neue Jahr gestartet und haben euch aufgefordert, einen Tag festzuhalten: einen, der sich müde, unsicher oder zäh anfühlt, oder einen, in dem Freude, Hoffnung und kleine Glücksmomente aufscheinen. Zum ersten Mal gab es dabei ein Musikstück als Inspiration für das Monatsthema. Der Song „Once You Laugh“ („Einmal lachst du“) von Andreya Casablanca sollte euch dabei unterstützen, eure eigenen Gedanken und Gefühle in Gedichten sichtbar zu machen.

Und hier sind sie: die Gewinner*innen unseres ersten Monatswettbewerbs im Jahr 2026. Wir gratulieren ganz herzlich Charlotte Jelinek, Luana Kemmann, Jan Kramps, Tonda Montasser, Sophia Nichol und Sonja Petri!

Heute : Morgen & ein Strauß Mohn

Charlotte Jelinek

2011

Ich bin leise : Ich bin laut & da ist ein Glanz
Laut-laut-laut : Dann zartes Geschweige, da ist ein leichter Tanz 
Ein stiller Fluss : Ein lauter Sturm, da ist ein sanfter Ton
Ein Tropfen : Lauter Kern, ein leiser Keim, ein Strauß Mohn
:
Mondlicht trifft
Sonne trifft 
Mond dann :
Morgen, dann :
Wieder
:
Reaktionen auf
Fallen-fallen-fallen
Dann :
Aufstehen

Nur da.

Luana Kemmann

2012

Ich wache auf
am morgen.
es ist winter
die bäume sind kahl
nichts gibt energie.

Am bahnhof stehe ich da.
kein zug kommt
das licht flackert
und geht aus.

Dann kommt die bahn.
eine bahn voll mit körpern
aber ohne stimmen in mir
ein gedränge
das nichts berührt. 

In der schule höre ich
lachen auf dem flur.
seifenblasen fliegen
die hoffnung schimmert
und platzt.

In der mathestunde schwirren
die zahlen auf dem papier.
formeln
die löcher in den kopf bohren
und irgendwie
ergibt alles für mich null.

Zuhause lege ich 
mich gleich ins bett.
meine atemzüge stapeln
steine auf die brust.

Die zeit vergeht
ich spüre nichts
ich sehe nur
mein zimmer nach dem auszug
nur die wände hören noch zu.

Abends sitze ich still
der tag legt sich neben mich
und atmet ruhig.
nicht glücklich.
nicht traurig.

Nur da.

Winterschwere Schnürsenkel

Jan Kramps

2011

Wintermelancholie hält wach
Denk zu wenig nach
Und höre auch nicht zu
Jaja.

Erinnerungen fangen mich
Wie schön es war
Bevor es ging
Ja klar.

Stille lastet schwer
In den Momenten
Wo sie schmerzt
Wie immer.

Doch so ist es nicht
Allein in der Gemeinsamkeit
Die nur mich übrig lässt
Natürlich.

Die Gegenwart schmerzt
Früher war alles besser
Don’t you remember?
Bla bla.

Schnürsenkel halb offen
Viel zu viel Zeit
Aber dafür nicht genug
Ha Ha Ha.

Januar

Tonda Montasser

2011

Beim Frühstück alles laut.
Geräusche, alle statisch.

Krieg. Zermatschter Schnee.
Kopfhörer funktionieren nicht.

Schule zieht ein.
Langsam sinkendes Schiff,

Apathie gegenüber
der Tage.

Verliere mich selbst
im endlosen U-Bahn-Tunnel,

Januar-Tunnelvision.
Nicht alles existenziell sehen.

Realisten sind Pessimisten,
welche unglücklich
in Tunnel blicken.

Dazu der zermatschte Schnee.

Alles führt zurück
zu dem endlosen
Strom Wasser,

welcher auf deinen
Schuhen bleibt.

Nebel wäscht dein
verbittertes Gesicht.

Alle diese statischen Geräusche
verstummen,

wenn du lächelst.

es ist die einzige Bewegung

am Tag.

 

II 

Januar, schwerer

und schwerer.

Das Lächeln abgestumpft.

Augen am Einschlafen.

Die Bahn verspätet sich.
Starker, kalter

Wind, welcher dich
erdrückt.

Deine persönliche
Gottesanbeterin.

Menschen sind kalte
Realisten.

Schlafwandelnd
im Forst, wo alles
gleich aussieht,

wirst du zurückgespült.

In den Strom.

III 

Ich seh das Auto.
Alles geht so schnell.

Das Eis bricht.
Januar 26.

Hoffe, die Schande bricht ein,
während die Aliens,

die Engel-Mütter entführen,
sie tottrampeln.

Man kann sich nicht wiederfinden
in der düsteren Tageszeit.

Es sind −18 Grad,
und die Alienhorden ziehen weiter.

IV

Vielleicht wenn wir

schlafen,
stürmen sie die Wohnung,

fahren uns nach Alligator Alcatraz,
wo wir dann vermisst werden.

Die Aliens schmeißen
IDs weg.

Elf Schüsse,
und die Kamera ist weg,

als hätte es uns nie gegeben

auf den langen Straßen

dieses Januars.

ichzentrisches Weltbild

Sophia Nichol

2011

tage sind
astronomenmist
was geht,
das mich an?
wer glaubt schon,
daran?
tage sind hell
und dunkel 
nichts.
sonnenaufgang sonnenuntergang
das Drahtmodell aus Physik Klasse 7:
tagessimulation brennt
auf meiner Netzhaut, denn ich
ICH drehe mich um meine eigene Achse
eine Uhr mit Drehwurm
nein ich halte mich an 
keine Regeln!
Das sind Tage
oder?
denn was ist der moment, wenn
die straßenlaternen angehen?
frage ich meinen gott er
lacht, ihm ist schummrig vom Drehen.
und was ist das,
die Sekunde in der ich sterbe?
die Stunde in der die Matheklausur auf meiner schulter sitzt?
ein Papagei kurz vor der Weltreise 
und auch der Montag an dem
ich mich mit halbtot zufrieden gebe 
ist es September 2011 als
ein viertelmensch so leer war wie
das jahr zweitausendundzwanzig!?
tage sind
astronomenmist
wer glaubt schon
daran?
also doch lieber
365 stacheldrahtgefühle
statt astronomenmist.
oder ein bisschen von beidem.

Sterne in der Dunkelheit

Sonja Petri

2014

Der Tag ist grau.
Eine unüberwindliche Wand umgibt mich,
lässt keinen Tropfen Licht hinein.
Der Tag wird schwarz,
besteht aus reiner Dunkelheit. Ihre glatte
Oberflächenstruktur würde durch den
kleinsten Anflug von Farben zerstört.
Der Tag ist bunt.
Ich erkenne die um mich herum wabernden
Farben der Nacht, die mich umgeben, dem draußen
liegenden Tag zum Trotz,
Sterne in der Dunkelheit.

Schreibe, um zu träumen.