Unsere Gewinner*innen im Juli 2026
Wettbewerb im Juli 2026
Im Juli haben wir euch dazu eingeladen, über Humor und Lachen nachzudenken, das sich nicht immer erklären lässt. Denn manchmal passiert es einfach: Einer fängt an zu lachen, jemand anderes stimmt ein und plötzlich lachen alle und eigentlich weiß niemand so genau, warum. Genau darum ging es auch in unserem Monatsthema „niemand wusste, warum“, inspiriert von dem Text „naschmarkt equilibrium“ unseres Monatslyrikers Yevgeniy Breyger.
Unsere Gewinner*innen erzählen von ganz unterschiedlichen Momenten, in denen das Lachen seinen eigenen Weg nimmt. Im Klassenzimmer, in Erinnerungen, in der Auseinandersetzung mit dem inneren Schweinehund und angesichts großer Fragen zeigen ihre Gedichte, wie viel in einem scheinbar grundlosen Lachen stecken kann.
Wir gratulieren ganz herzlich unseren sechs Monatsgewinner*innen: Lene Kwiatkowski, Nike Marach, Sophia Nichol, Paula Röhm, Clara Staats und Layla Wölfe und wünschen allen viel Freude beim Lesen!
Unterrichtslachen
Lene Kwiatkowski
2014
Matheunterricht – Bruchrechnung,
so langweilig
wie das Beobachten
einer Schildkröte.
Viele laute Stimmen
schallen wie Wellen
durch die Klasse.
Das Licht ging aus,
doch die letzte Reihe
war es mal nicht.
Das Augenrollen
meiner Freundin
spürte man förmlich.
Zum Schreien
setzte sie an,
doch heute war
die Lehrerin
die Täterin.
Sie war die Zielscheibe,
blieb schockiert stehen
und schmunzelte.
Aber wir steigerten
unser Lachen
zu einem Lachflash.
Das Lachen
wollten wir rocken,
ohne Grund
zu stoppen.
Voller Freude und
leichter Befreiung.
Komische Blicke
blendeten wir aus.
Ein Lächeln im Herzen
wird immer bleiben.
Und ich sah auf und der Himmel war…
Nike Marach
2012
Und ich warf meinen Kopf beim Lachen zurück wie ein Kind.
Du findest es komisch, dass ich denke, dass du lustig bist,
weil sie es nie getan haben.
rote Erinnerungen in herzform
Sophia Nichol
2011
Ich kniete auf
Warmem/kaltem
Waldboden und
Spitze nadeln bohrten sich in
weiche haut und hinterließen
rote Linien; wäre ich aufgestanden
und während ich kniete fassten sich unklare Gedanken ich
Verstehe es nicht ich verstehe es
nicht
Es bringt mich aus dem
Gleichge-
wicht
Dann, während der Mond auf meinen kalten Atem brannte
Und mir die Worte aus dem Mund weinte
begann es
Ein kleines
Muskelzucken ein
Ein auf und ab in
Unre
Gelmäßi
Gem
Rhythmus
Es wurde lauter
weil die welt immer
abstruser/banaler/komischer wird
und ich lachte
Was ist das?
Ein Reinfall des Lebens, ein Fehltritt, ein Ausversehen, ein Fehler im System
programmiert von wem?
Und ich sprach, nein ich lachte von dem wort
Das so greifbar schien
Ein Glühwürmchen, das kurz vor meinen Augen flatterte, es kam immer näher
mein Augenpaar schielte
Ein Gefühl fuhr durch die Luft doch
meine tauben Finger spürten nichts
oder zuviel?
Ich wollte glühen
Und ich lachte weil ich es nicht konnte denn
Es war so einfach.
Nun bildeten sich rote linien
Und ich drehte mich um lief weg von der
weggabelung
Ich beobachte
die roten Linien auf meinem Blatt
Ich habe eine Geschichte erzählt. aus
Erinnerungen
leerlauf
Paula Röhm
2013
Eigentlich
hat der
motor im
leerlauf getuckert
mein handy
ist notizbuch mit blümchen
der fisch
dreht sich
seitenverkehrt
sagst du und lachst
das eis schmeckt nach
verbranntem zucker.
Es braucht keinen Grund
Clara Staats
2014
Ich scrolle
Lese die Aufgabe
Denke nach
Schön, los geht’s.
Ich rufe meinen inneren Schweinehund zurück
Bei Fuß, Ich!, befehle ich.
Er trottet her, ich nehme die Leine kurz.
Urgh.
Lyrik einreichen
Klick
Bla
Bla
Bla
Gesamtschule
Klick
Jup, na dann los.
Ich lache mich selbst aus.
Was willst du denn schreiben?, frage ich belustigt.
Keine Ahnung, antworte ich.
Die Wolken sind grau.
Hier ist endlich wieder Wind, unnütze Sonne, Wolken…
Ich schnaube.
Jetzt wieder Italien…!
Nein!, keife ich meinen Schweinehund an.
Er knurrt und peitscht mit dem gerollten Schwanz.
Ich lache mich selbst aus.
Du Mops!, lache ich, Sorgenfalten auf der Stirn.
Er lässt sich fallen wie ein Elefant.
Plumps.
Elegant., sage ich.
Nein., sage ich.
Ich wende mich ab.
CDs im Regal bewundern ihr Staubkleid.
Lehnen sich an die anderen.
Spiel mich ab!!, flüstern sie.
Hör auf zu fantasieren!!, flüstert mein Schweinehund.
Ich brummel etwas von Eiscreme.
Yogurteis am Strand…
Aus!, rufe ich meinem Schweinehund zu.
Er grunzt und schließt die Augen.
Na fantastisch.
Schnarch.
Füüh.
Schnarch.
Füüh.
Von einem Foto grinst mich mein Kindergarten-Ich an.
Von dem nächsten mein Grundschul-Ich.
Ich bin umzingelt.
Genervtes, angeklebtes Lächeln
Tag auch, Weiterführende-Schule-Ich.
Der Holzhirsch auf dem kleinen Schrank.
Ich habe ihm eine Clownsnase aufgesetzt.
Und Papierklammern an das Geweih.
Eine kurze Schweigeminute für seine Würde, bitte.
Eine Gladiole, zwei Dahlien.
Schick.
9 3D-gedruckte Drachen.
Fische sausen durchs Aquarium.
Jagen sich, spielen.
Und jetzt?, mault mein Schweinehund.
Jetzt bricht ein riesiges Feuer aus und die Welt geht unter, sage ich.
Wortlos hält er mir ein Grillsteak hin.
Ich denke nach.
Nirvana Klavierbuch.
Kissen.
Klo., melde ich.
Liegen bleiben…, brummt mein Schweinehund.
Ha, zu spät!, rufe ich, Bin schon auf dem Flur!
Rrrrrrrrmmmmm
Waschmaschine
Splasch
Spülung
Tap Tap
Meine Schritte zur Couch.
Aaaaachhh, seufzt mein Schweinehund.
Ich sinke in die pure Gemütlichkeit.
Ins pure Glück!, jauchzt er.
Ich denke, du hast Recht, sage ich.
Ich lache, er hat immer Recht.
Ich hab immer ein bisschen Recht!, spricht er meine Gedanken aus
Ich stimme ihm zu und wir schweigen.
Das sieht uns nicht ähnlich, bemerkt er.
Wir lachen.
Warum ist egal.
Wir lachen für alle, die es geschafft haben, heute Morgen aufzustehen,
Wir lachen für alle, die es geschafft haben, nicht direkt danach wieder auf die Couch zu fallen
Wir lachen auch ein bisschen für uns.
KI?
Nein.
Klick.
Warum nicht?, fragt mein Schweinehund.
Da kann man nicht so viel bei lachen, sage ich.
Zu anstrengend, wenn ich das schreiben müsste, findet er.
Du machst es doch, du bist ich., bemerke ich.
Ich bin ja bloß der Schweinehund, sagt er.
Er ist glücklich darüber.
Wälzt sich im Teppich und haart alles voll.
Ich lache.
Ich bin auch nur der Mensch., meine ich.
Ich streichel ihn.
Und ich bin hundemüde., sage ich.
Er rückt zur Seite und ich lege mich auf den Teppich.
Moment, seit wann ist da ein Teppich?, frage ich.
Keine Ahnung, sagt er fröhlich, Aber er ist doch gemütlich!
Dem kann ich nicht widersprechen.
Lass deinen Schweinehund auch mal gewinnen, schreibe ich mir eine Notiz.
Er lacht.
Ich auch.
Er gewinnt ja immer.
Warum lachst du?
Layla Wölfe
2012
Es war ein kühler Samstagabend im Herbst,
Wir saßen gemeinsam auf der Terrasse,
Als du dein Gesicht mit einem Lächeln schön verfärbst,
Sodass ich mal von der Zeitung ablasse
Ich blicke neugierig dich an und frage:
Warum lächelst du, nicht dass ich klage,
Aber warum?
Du bleibst nicht wirklich stumm,
Du sagst auch nichts,
Ich fühl mich wenig dumm,
Du lachst bloß los, im Schein des Abendlichts,
Ich blicke dich wirr an und frage:
Warum lachst du, nicht dass ich klage,
Aber warum?
Du lachst verlegen weiter,
Was kann denn grad so lustig sein?
Warum bist du denn so heiter?
Mich lädt die Welt zum Weinen ein
Ich blicke dich fragend an und frage:
Warum lachst du, nicht dass ich klage,
Aber warum?
Die Kriege toben in nah und fern,
Der Klimawandel schreitet voran,
Das ignoriert man als Konzern,
Kann es so weitergehen, was passiert denn dann?
Ich sehe dich entgeistert an und frage:
Warum lachst du, da ich langsam klage,
Mensch warum?
Dann sehe ich in dein Gesicht,
Erkenne all die Freude,
Die an was ich denk zerbricht,
Aber warum heute?
Trotzdem sehe ich dich neugierig an,
Frage trotzdem noch:
Warum lachst du, nicht dass ich klage?
Aber warum?
Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen,
An den Problemen ändert‘s nicht, sie ewig lange totzuschweigen
Uns mit ihnen das Lachen auszusaugen,
Anstatt es allen so zu zeigen,
Wir werden etwas tun, trotz allem sollten wir auch lachen,
Ich frage dich nun gar nicht mehr, seh dich auch nicht an,
Lache plötzlich mit dir mit,
Aber warum?