Unsere Gewinner*innen im März 2026

Wettbewerb im März 2026

Was passiert, wenn ein Satz immer immer wieder auftaucht? Im März habt ihr euch in der Altersgruppe 10–14 Jahre mit der Kraft von Wiederholungen beschäftigt. Ausgangspunkt war ein Satz, der in euren Gedichten immer wiederkehrt und sich dabei verändert: in seiner Bedeutung, in seiner Stimmung, in seiner Wirkung. Wird er stärker oder leiser? Bleibt er gleich oder wandelt er sich ins Gegenteil? Als lyrische Inspiration haben wir euch einen Text des US-amerikanischen Schriftstellers Ben Lerner vorgestellt.

Wir gratulieren ganz herzlich unseren sechs Monatsgewinner*innen: Dante Benedetti, Amalia Busch, Charlotte Jelinek, Jan Kramps, Sanja Mayer und Sophia Nichol. In euren Texten zeigt sich, wie vielfältig sich mit dieser Technik arbeiten lässt. Wiederholungen strukturieren, verdichten, treiben voran oder halten inne. Sie lassen Bekanntes fremd wirken, machen Alltägliches besonders und eröffnen neue Sichtweisen auf einfache Sätze. Viel Freude beim Lesen der prämierten Gedichte und herzlichen Dank allen Einsendenden!

Ivan

Dante Benedetti

2014

Im Frieden warst du Kind
Im Krieg bist du Soldat
Im Frieden hattest du Familie
Im Krieg bist du allein
Im Frieden warst du glücklich
Im Krieg bist du traurig
Im Frieden liebtest du
Im Krieg hasst du
Im Frieden hattest du Nahrung
Im Krieg hast du Hunger
Im Frieden hattest du Spiele
Im Krieg hast du Waffen
Im Frieden sahst du Sterne
Im Krieg siehst du Leuchtraketen
Ivan
Im Frieden warst du lebendig
Im Krieg bist du tot

Ein Tanz

Amalia Busch

2012

Ein Tanz.
Ein Hin und Her
Ein Wiegen und Schieben
Ein Schubsen und Kriegen
Ein Tanz ohne Ende
Ein Tanz ohne Sinn
Politik, Kriege, Tote, Verletzte
Wie die ewige Verbreitung von Disteln.
Beschönigungen: „Schaut, diese Blüten!“
Die Stacheln sieht man erst, wenn sie
Menschen verletzen.

Ein Tanz.
Ein Hin und Her
Ein wiegen und Schieben
Ein Küssen und Lieben
Ein Tanz in der Nacht
Ein Tanz voller Sehnsucht
Voller Glück
Rotes Kleid, Märchen-Tracht
Wie der Traum jedes Mädchens
In der Nacht
Wie das sanfte Muster,
Dass der große Ahornbaum
Im Sonnenuntergang
Auf die Straße wirft

Ein Tanz.
Ein Hin und her
Ein Wiegen und Schieben
Ein Tänzeln, ein Starren
Ein Knurren, ein Knarren
Innerlich die pure Furcht

Äußerlich ein toughes Face

Ein Tanz.
Eine Kunst für sich
Man kann tanzen und tänzeln
Kommen und schwänzen
Kann kriegen und sich be-kriegen
Fürchten und flüchten
Lieben und Küssen

<- ->

Charlotte Jelinek

2011

Zwei kleine Pfeile
Die in unterschiedliche Richtungen zeigen
Ich klicke auf den falschen
Gelange auf direkten Wegen zurück zu geschlossenen Seiten

Zwei kleine Pfeile
Die in unterschiedliche Richtungen zeigen
Wir verlaufen uns
Im Labyrinth; einem Urlaubsparadies; einem Campingplatz; einer Bibliothek; im Leben; in Gedanken; in Träumen; (the list goes on)

Dann: Wir verrennen uns

Zwei kleine Pfeile
Die in unterschiedliche Richtungen zeigen
[Kleiner als] [Minus] [Minus] [Größer als] 

Zwei kleine Pfeile, die in unterschiedliche Richtungen zeigen
Doch:
Es sind nur noch wir
Sitzen Rücken an Rücken und schweigen

background noises

Jan Kramps

2011

Rauschen
Kleine Drehung nach rechts
Musik
Moderation
Radio

Rauschen
Sand in den Schlappen
Sonne
Wasser
Meer

Rauschen
Zu wenig Platz
Streiten
Schweigen
Autobahn

Rauschen
Niemals still
Niemals allein

*seufzt*

Sanja Mayer

2011

Ich starre auf mein Handy
Belanglose Beiträge und Likes
Ups, schon wieder
Schon wieder verfärbt sich ein weißes Herz rot
Schon wieder hab ich etwas geliket
Kopfschütteln, Weiterscrollen, Vergessen,
Ups, schon wieder
Schon wieder in dem Kreislauf gefangen
Ein Blick hinter die Kulissen
Ja, wer‘s glaubt!
Schon wieder ein neues Reel
Kommentare? 
Ja
Herzen?
Viele
Reflex?
Ein weiteres Herz ploppt auf
Schon wieder *seufzt*
Gruppenzwang? 
Naja, eher ein Mitläufer
Egal
What I eat in a day
Was isst man denn am Tag?
Likes und Abonnenten oder doch die Produkte eines Sponsors?
Nein, meine Herzen, meine Zeit, meine Gefühle
Ups, schon wieder
Schon wieder hab ich mir Gedanken gemacht
Gedanken über jemanden, den ich noch nie zuvor gesehen habe
Wie er wohl sein Müsli isst?
Schon wieder 
Schon wieder die gleiche Routine 
Leben und online gehen 
Als wäre das nicht das Gleiche 

Schon wieder ein Post von xyz 
Schon wieder eine Nachricht von S❤️
Schon wieder graue Gedanken und Suchtgefühle
Schon wieder das Handy in der Hand 
Schon wieder *seufzt*
Und 

Ups, schon wieder
Schon wieder eine Warnung
Eine Warnung vor Social Media 
Ja. Schon wieder
*seufzt*

ich mag, du magst, er/sie/es mag, wir mögen, ihr mögt, sie mögen

Sophia Nichol

2011

ich mag
regenbogentage 
bauch-schmerz-du-momente

pfützenstiefel-welt 
steht kopf und
subjonctif-attacken
ja, das mag ich

weite tiefen mag ich, kann ich
einmal durch dich durchschauen 
rosa geist,
ich mag durchsichtige tausendfüßler
auf meiner haut

und berge und schluchten und sommersprossen 
die mag ich wie blau-lila gefieder
wie das glockenläuten, klingen warme bauchtöne, die ich mag
neben meinem gemochten flieder-
farbenen herz mit schwindelproblem 

ich mag dich wie dunkelrotglänzende farbübergänge
ich mag dich, wie mich das wärmste lachen erhellt
ich mag dich wie den geruch nach regen 
ich mag dich mehr als diese kaputte welt 
ich mag dich haben in meinem leben
ich mag dich

Schreibe, um zu träumen.