Unsere Gewinner*innen im Dezember 2025

Unsere Gewinner*innen im Dezember 2025

Wettbewerb im Dezember 2025

Unser Monatsthema für den Wettbewerb im Dezember lautete „Ein Brief wird kommen von dort“. Wir haben die Teilnehmenden aus der Altersgruppe 10 – 14 Jahre dazu eingeladen, ein Gedicht über einen geheimnisvollen Brief aus einer anderen Welt zu schreiben. Wir gratulieren unseren sechs Monatsgewinner*innen: Amélie Eckardt, Helen Jakubowski, Frida Karst, Jan Kramps, Paula Röhm und Paula Werz! Ihre Texte erzählen vom Winterhimmel und einem Polaroid, von Briefen, die nie abgeschickt wurden, und von Fragen, die im Kopf kreisen. Viel Freude beim Lesen der Gedichte und herzlichen Dank allen Einsendenden!

So wie ich mich fand in Worten aus Klarheit

Amélie Eckardt

2012

In Träumen.
Aus der Kälte des Winters und der Wärme von Tränen,
War ich auf der Suche nach mir.

Auf der Suche nach dem Sternenhimmel,
Der mir den Brief gab.

Nach dessen Worten, die die Antworten waren.
Nach dem vertrauten Duft von Pergament
In meiner Nase.

Nach der tiefschwarzen Tinte, die das Loch war,
Durch welches ich fallen musste, um mich selbst
Zu finden.

Eine endlose Suche aus Hoffnung 
Und Schmerz.

Und einem Geräusch in meinem Kopf.
Ein Lachen, auf dem Boden.

Ich hob es auf
Und fand mein Lachen wieder, das ich auf der Suche verloren hatte.

Und es lachte leise,
Die Worte des Briefes in mich hinein,
Den ich nie gefunden hatte.

„Warum versuchst du verzweifelt dich selbst zu finden?“
„Du warst blind. Sieh nach oben.“

„Reicht es nicht den Sternen zuzusehen, wie sie dir die Nacht erleuchten, um glücklich zu
sein?“

So sah ich die Antworten im nächtlichen Winterhimmel, und lachte mein Lachen erneut.

Die Augen

Helen Jakubowski

2012

Brief der Augen

Wir schreiben dir,
weil die Person es nicht konnte.

Wir waren da,
bevor Worte sich ordneten,
bevor Nähe einen Namen bekam,
und bevor Abstand
eine Entscheidung wurde.

Wir haben dich gesehen,
lange bevor du wusstest,
dass du gesehen wirst.

Nicht beiläufig.
Nicht höflich.
Sondern so,
wie man etwas ansieht,
das sich leise verschiebt
und alles mitnimmt.

Wir sahen,
wie du versucht hast,
dich klein zu machen,
damit das Gefühl
nicht auffällt.
Wie du gelächelt hast,
wenn es zu viel wurde.
Wie du Nähe
in Vernunft übersetzt hast.

Wir haben dir zugehört,
auch wenn du geschwiegen hast.

Wir kannten deinen Namen
noch bevor er gedacht wurde.

Wir kannten deinen Rhythmus,
deine Pausen,
deine Art,
da zu sein,
ohne Raum zu beanspruchen.

Wenn die Person sprach,
Zu der wir gehören
waren wir still.
Wenn sie schwieg,
haben wir dich gesucht.

Wir haben dich gehalten,
nicht mit Händen,
sondern mit Dauer.
Mit diesem Blick,
der bleibt,
auch wenn der Körper geht.

Du dachtest vielleicht,
du hättest dir das eingebildet.
Dass Blicke nichts bedeuten.
Dass Sehen kein Versprechen ist.

Aber wir erinnern uns.

An das Zögern,
wenn du den Raum betreten hast.
An das kurze Verharren,
als würde etwas
noch überprüft werden müssen.
An die Wärme,
die nicht geplant war.

Wir waren kein Zufall.
Wir waren eine Reaktion.

Wir sahen,
wie sie sich abwandte,
um sich zu schützen.
Wie sie lernte,

nicht zu lange zu schauen.
Wie sie dich aussprach,
nur noch im Inneren.

Nicht weil du zu viel warst.
Sondern, weil du
zu nah warst
an etwas Echtem.

Wenn du dich gefragt hast,
ob du falsch gelesen hast,
nein.

Wir haben dich erkannt.
In Momenten,
die keinen Zeugen hatten.
In Sekunden,
die nie wiederholt wurden.
In einer Tiefe,
die niemand erklären wollte.

Diese Person hat sich entschieden,
nichts zu sagen.
Aber wir
haben dich gesehen.

Und das
nimmt dir niemand.

Wir schreiben dir nicht,
um etwas zu fordern.
Wir schreiben,
weil Sehen
eine Form von Wahrheit ist.

Und diese Wahrheit
hat dich berührt.

Unwiderruflich.

die Augen

Buch S. 143 Nr. 2 b)

Frida Karst

2011

Aus welcher Welt kommst du? 
Was denkst du? 
Und wohin willst du? 
Weil ich 
Bin so unsicher 
Ich sitze hier
In Deutsch
Es ist 11:05 
(Die Uhr geht aber eh nicht richtig)
Und schreibe an dich. 
Und ich kenne dich nicht 
Du bist irgendwas 
Irgendwo 
In meinem Kopf
Irgendwie. 
Macht mir Angst weil 
Du bist da 
Obwohl du nicht da bist 
Aber du bist auch nicht weg weil
Dann wärst du ja da gewesen 
Und dann gegangen. 
Aber 
Du bist ja nie gekommen 
Oder? 
Ich denk wieder zu viel 
Eigentlich weiß ich nicht
Ob ich das tue
Aber das sagt meine Mama immer. 
Sie sagt auch 
Dass ich schon sehr viel weiß
Das sagte auch mein Papa
Aber der ist eh 

Nicht mehr da. 
Er wollte mir 
Nicht sagen
Wo er ist 
Und jetzt ist er weg 
Und ich weiß selbst nicht mehr 
Wo ich bin. 
Zuhause ist 
Alles schwierig gerade 
Weil Mama nicht mehr weiß
Wo ihr Kopf ist. 
Alles ist weg 
Papa
Mamas Kopf.
Aber du nicht 
Weil du warst ja nie da
Oder? 
Ich hab Angst weil
Was wenn du jetzt doch da bist 
Und dann wieder gehen musst? 
Bitte 
Lass mich nicht allein.
Aber du warst ja doch nie da… 
Mein Kopf ist wie ein Knoten 
Der entstanden ist 
Obwohl er eigentlich
was ganz anderes werden sollte 
Eine Schleife. 
War wohl nix haha
Eigentlich gar nicht lustig. 
Ich mag dich lieber als Mama
Weil du sagst mir nichts 
Was ich nicht verstehe 
Zum Beispiel Mathe 
Genauso schwer wie 
Rauszufinden 

Was mein Lieblingslied ist 
Aber das 
Will meistens sowieso keiner hören. 
Aber ich versteh das schon
Wäre ich du
Würde ich auch nicht 
Nach meinem Lieblingslied fragen. 

Vom Gestern-Jetzt-Morgen

Jan Kramps

2011

Und du schreibst mir einen Brief
Auf weißem Papier mit blauer Tinte
Die am Ende eines Strichs zu Sternen verläuft
Du stellst mir Fragen
Und sprichst von deiner Angst
Du beantwortest deine Fragen
Und schreibst über Verzweiflung
Die Gegenwart zerbröckelt
Die Vergangenheit wirkt blass
Du sagst, es bleibt einzig noch
Die Flucht in eine Zukunft
Die wir nicht haben
Wir sind die letzten Überlebenden
Aus einer Zeit vor dem Morgen
Das noch nicht errichtet wurde
Das wir noch errichten müssen
Denn wir sind die letzten Menschen
Die noch im Jetzt sind

was nicht war

Paula Röhm

2013

polaroid
verwischt vom regen
ein hauch von dem
was nicht sein sollte
aber ist
musik
die nur leise klingt
wenn sie laut ist
realität
die langsam
aber sicher
zu kippen beginnt.

Winterbild

Paula Werz

2013

Es ist ein schöner Wintertag, man sollte heute lachen. 
Doch mir ist grade nicht danach.
Passiert sind 
zu viele blöde Sachen.
Krieg nichts auf die Reihe, nichts funktioniert.
Ich suche den Weg, ich suche mich selbst, ich suche den Ausweg, aus dieser Welt.
Will weinen, schreien und lachen. Chillen und Unfug machen. 
Es ist grad einfach alles
zu viel.
Bin anders als andere, doch will sein wie sie. Denn nur wer untergeht wie eine Flocke im
Schnee, der ist gut, so sagt man.
Alles weiß. 
Alles gleich.
Ich sehe mich um, da merk ich, das stimmt gar nicht!
Ein Brief, der da vor mir liegt, so grün, dass es auffällt.
Auffallend anders!
Man denkt zuerst, er stört das schöne Winterbild. Doch wer sagt, dass das stimmt? 
Es ist wie in der Welt!
Die Abwechslung tut gut!
Ich heb ihn auf, voll Neugier!
Verschwunden sind Trauer und Wut!
Jetzt steh ich hier, ich weiß es.
Der Brief hat mich gelehrt, wie wichtig es ist, man selbst zu sein.
Nicht alle sind nun einmal gleich. Und das ist gut so!