Lyrik-Empfehlungen für Kinder 2026: lyrix Preisträgerin Sarah Zeiss empfiehlt "In mir spielt Musik"
Zum Welttag der Poesie am 21. März sind die Lyrik-Empfehlungen 2026 erschienen. Sie versammeln eine vielfältige Auswahl von Gedichtbänden für Kinder und Erwachsene, zusammengestellt von Expert*innen aus Literatur, Vermittlung und Kritik. Für junge Leser*innen zwischen 3 und 11 Jahren umfasst die Liste elf besondere Titel, die Lust auf Sprache, Klang und poetische Entdeckungen machen. Alle Empfehlungen sind auf www.lyrik-empfehlungen.de zu entdecken.
Begleitet werden die Lyrik-Empfehlungen von pädagogischem Material zur Lyrik-Vermittlung, das sich besonders an Kitas und Grundschulen richtet und den Einstieg in die Welt der Poesie erleichtert. Die Handreichungen „Einfach lyrisch“ stehen ebenfalls auf der Website kostenlos zum Download bereit.

Wie jedes Jahr ist lyrix Teil der Empfehlenden und diesmal durfte unsere Preisträgerin Sarah Zeiss ihren Favoriten auswählen. Sie hat sich für das Kinderbuch In mir spielt Musik. Ein Aufwachbuch von Melanie Laibl und Cansu Yakin entschieden. Die musikalische Reimgeschichte voller Rhythmik-Spiele ist 2024 im Vermes-Verlag erschienen und für Kinder ab 2 Jahren geeignet.
Wir haben mit Sarah über ihre Lyrik-Empfehlung gesprochen. Im Interview erzählt sie, was sie an dem Band In mir spielt Musik begeistert hat, worauf sie bei ihrer Entscheidung geachtet hat und welche Bedeutung Lyrik für sie persönlich hat.
Du hast In mir spielt Musik empfohlen – was hat dich an diesem Buch besonders angesprochen?
Auf jeden Fall die Rhythmik! Das Buch ist so klanglich, dass es beim Lesen direkt in seinen Bann zieht und diesen bis zum Ende aufrechterhält!
Wonach hast du bei deiner Auswahl entschieden? Eher nach Gefühl, Sprache, Thema oder Zielgruppe?
Natürlich haben alle Aspekte eine Rolle gespielt, aber besonders wichtig war mir das sprachliche Handwerk. Also zum Beispiel treffende Wortwahl, wenn eingesetzt saubere Reime und innovative Verse sowie, dass jede Strophe oder jedes Kurzgedicht Eigenwilligkeit hat und nicht bloß eine Abwandlung des Vorherigen ist.
Gab es viele Bücher, zwischen denen du geschwankt hast?
Es waren eigentlich nur zwei, zwischen denen mir die Wahl sehr schwer fiel. Das eine Buch war eben In mir spielt Musik, das andere ein etwas längerer Band, der ebenfalls sprachlich sehr schön und auch besonders stimmungsvoll war. Allerdings war das Thema des anderen Buches recht schwer, besonders ohne Hintergrundwissen. Deshalb konnte ich die Altersempfehlung nicht ganz nachvollziehen und außerdem hat mich das Konzept eines Aufwachbuches so überzeugt, dass ich mich schließlich für In mir spielt Musik entschieden habe.
Wie war es für dich, Teil der Lyrik- Empfehlungen zu sein? Was nimmst du aus dieser Erfahrung für dich mit?
Es war richtig spannend, mit kritischem Blick so tief in fremde Texte einzutauchen, wie ich es sonst meist nur bei meinen eigenen mache! Gleichzeitig habe ich viel über das Bearbeiten von Texten gelernt, weil ich mit Malte Abraham (Anmerkung der Redaktion: freier Mitarbeiter im Bereich „Kuration Wettbewerbsthemen“ bei lyrix), der mich während dem Prozess begleitet hat, so detailliert an der Empfehlung gefeilt habe, bis wirklich jeder Buchstabe am wirkungsvollsten Platz war. Das ist etwas, was ich auf jeden Fall auch versuche, mehr in mein kreatives Schreiben einzubinden!

Du bist lyrix-Preisträgerin – welche Rolle spielt Lyrik für dich?
Ich würde sagen Lyrik ist der Mensch wie er ist, sich aber (noch) nicht traut zu sein. Für mich persönlich heißt das, dass ich durch Lyrik alle intensiven Emotionen rauslassen kann, groß, laut und vor allem frei. Besonders weil Lyrik die Gattung ist, in der ich durch assoziative Bilder, Worte, Bruchstücke und Gefühle relativ roh und direkt die Essenz dessen niederschreiben kann, was ich andere spüren lassen will. Dadurch ist Lyrik meiner Meinung nach eines der wichtigsten Tools, die wir haben, weil es uns erlaubt auf mehreren Ebenen gleichzeitig Empfindung und Gedanken zu teilen, ohne, dass immer alles ganz verstanden werden muss.
Kurzübersicht: Alle Lyrik-Empfehlungen für Kinder 2026
Maren und Ahmadjan Amini: Ahmadjan und der Wiedehopf. Carlsen, 2024
Ludwig Bemelmans: Madlen. Aus dem Englischen von Nadia Budde. Péridot, 2025
Franziska Biermann: Herr Fuchs mag Po-esie! Edition Nilpferd, 2025
Cornelia Boese, Stefanie Jeschke (Ill.): Arche Boa. mixtvision, 2025
Rike Drust, Nele Palmtag (Ill.): Hört mal! Brülle-Post-Leporello. Kunstanstifter, 2025
Heinz Janisch, Helga Bansch (Ill.): Auf dem Weg. Jungbrunngen, 2024
Melanie Laibl, Cansu Yakin (Ill.): In mir spielt Musik. Ein Aufwachbuch. Vermes, 2024
Lena Raubaum, Verena Pavoni (Ill.): Schlich ein Puma in den Tag. Kunstanstifter, 2025
Jutta Richter, Julie Völk (Ill.): Rabenkonzert. Gedichte für kleine und große Menschen. Insel, 2025
Clemens J. Setz, Stefanie Jeschke (Ill.): Mopsfisch. Insel, 2025
Bodo Wartke, Alexandra Junge (Ill.): In Barbaras Rhababerbar wird niemals der Rhababer rar. Zungenbrechergeschichten. Carlsen, 2025

Über die Lyrik-Empfehlungen
Die Lyrik-Empfehlungen wurden entwickelt, um die Stimmenvielfalt der Poesie auf dem Buchmarkt zu stärken. Sie richten sich an ein Publikum aus jugendlichen und erwachsenen Lyrikfans. Seit 2024 gibt es auch die Lyrik-Empfehlungen für Kinder. Getragen wird das Projekt von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Lyrik Kabinett, dem Haus für Poesie, dem Deutscher Literaturfonds und dem Deutscher Bibliotheksverband. Für die Lyrik-Empfehlungen für Kinder unterstützt die Stiftung Internationale Jugendbibliothek das Projekt.
Rund um den Welttag der Poesie werden die ausgewählten Bücher bundesweit in zahlreichen Buchhandlungen und Bibliotheken präsentiert und im Rahmen von Lesungen und Veranstaltungen vorgelesen.
Mehr Infos unter lyrik-empfehlungen.de