Schnitt für Schnitt: Arbeiten mit der Cut-up-Methode
Kennt ihr schon die Cut-up-Methode? In unserem Monatsthema „Du sprichst Erinnern aus“im Februar haben wir euch diese Technik vorgestellt und die Teilnehmer*innen der jüngeren Altersgruppe eingeladen, selbst zur Schere zu greifen und mit Zeitungen oder Zeitschriften zu experimentieren. Vielen Dank an alle, die uns visuelle Cut-up-Versionen ihrer Texte geschickt haben. In diesem Beitrag zeigen wir eine Auswahl dieser Arbeiten.

Herta Müller, Die blassen Herren mit den Mokkatassen
(c) 2025 Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München
Die Cut-up-Methode folgt keinem linearen Erzählen, sondern dem Prinzip des Fragments. Bestehendes Material wird auseinandergenommen und in neuer Ordnung wieder zusammengefügt. Bedeutung entsteht dabei nicht allein aus Absicht, sondern auch aus Zufall, Reibung und überraschenden Verbindungen. So arbeitet auch Herta Müller in ihrem Gedicht „Abends schiebt jede Aprikose“, das wir euch im Februar vorgestellt haben. Aus ausgeschnittenen Wörtern und Satzteilen entsteht ein neuer, überraschender Text, der in seiner neuen Form ganz anders wirkt als zuvor.
Ihre Wurzeln hat die Technik unter anderem im Dadaismus. Schon dort wurden Wörter aus Zeitungen ausgeschnitten, neu gemischt und kombiniert, um Sprache aus gewohnten Zusammenhängen zu lösen und neue Bedeutungen entstehen zu lassen. William S. Burroughs und Brion Gysin griffen diese Idee später wieder auf und entwickelten sie weiter. Ihr Ansatz bestand darin, vorhandene Texte zu zerschneiden, neu anzuordnen und so eingefahrene Denk- und Sprachmuster aufzubrechen.
Beim Cut-up entsteht etwas Eigenständiges, das sich zwischen bewusster Gestaltung und Zufall bewegt. Gerade dieses Wechselspiel macht den Reiz der Methode aus. Das Arbeiten mit ausgeschnittenen Wörtern ist oft ein unmittelbarer, haptischer Prozess. Es wird ausgewählt, verschoben, verworfen und neu zusammengesetzt. Aus einzelnen Fragmenten entstehen so unerwartete Verbindungen und neue Lesarten, die sich nicht vollständig planen lassen.
lyrix-Cut-up-Gedichte aus dem Februar
Die folgenden Arbeiten stammen aus dem lyrix-Wettbewerb im Februar 2026 zum Monatsthema „Du sprichst Erinnern aus“ und wurden in der Altersgruppe 10–14 Jahre eingereicht. Auch das Cut-up-Gedicht von Ella Denz ist dabei, das im Februar mit dem Monatsgewinn ausgezeichnet wurde. (Alle prämierten Gedichte der Altersgruppe 10–14 Jahre im Februar findet ihr hier.)












