Nachdem wir im ersten Teil unserer „Im Fokus“-Reihe bereits vier unserer jüngeren Jahresgewinner*innen 2026 vorgestellt haben, geht es nun weiter: Auch im zweiten Teil geben vier junge Autorinnen in Mini-Interviews Einblicke in ihr Schreiben und erzählen von den Ideen und Erfahrungen hinter ihren ausgezeichneten Gedichten.
Diesmal stehen im Fokus: Mona Schlegel, Sofía González Sánchez, Kseniia Bogdanchikova und Charlotte Jelinek. Sie erzählen unter anderem von Wut und Kindheitssommern, vom Sammeln und Loslassen, von einer gestrickten Mütze und davon, wie sich persönliche Erfahrungen in Gedichte verwandeln können.
Alle ausgezeichneten Gedichte in voller Länge stehen hier bereit:
Im Blog: Das sind die lyrix-Jahresgewinner*innen 2026!
Zum Download: Broschüre der 18. Wettbewerbsrunde
Vielen Dank an Mona, Sofía, Kseniia und Charlotte für eure Antworten auf unsere Fragen – und viel Freude beim Lesen!
Gedicht und Fragen an Mona Schlegel
Wie ist die Idee für dein Gedicht entstanden?
Die im Gedicht beschriebene Szene hat genau so stattgefunden und überhaupt habe ich des Öfteren ein Problem mit Wut.
„Verschreckt blickt mir eine Schale entgegen, in der die Sommer meiner Kindheit liegen“. Ich personifiziere gerne Gegenstände und mag auch das Bild der Kindheitssommer, die Erdbeeren meinen, weil diese wirklich der Inbegriff von Sommer und Kindheit für mich sind.
Was bedeutet Lyrik für dich?
Lyrik ist für mich eigentlich immer autobiografisch, eine Möglichkeit, Dinge zu verarbeiten und rauszulassen, ohne dass es jeder begreift, weil die kurze Form mehr Interpretationsspielraum lässt und auch kryptisch schön bleibt und ein fertiger Text sein kann.
Wo oder wie schreibst du am liebsten?
Hastig, zwischendurch, im Rausch, mitten in der Nacht, im Kalten, vollkommen übermüdet, frierend, im Bett, draußen, im Café, mit Bleistift, auf dem Computer… Ich weiß nicht genau, auf jeden Fall umgebe ich mich dabei wie auch sonst gern mit Musik. 🙂
Mona Schlegel, *2010, Kempen. In Gedanken schreibt sie fast immer, verwirft aber vieles schon wieder, bevor es überhaupt Papier berührt. Seit 2022 schreibt sie mehr oder weniger regelmäßig Gedichte für lyrix, ansonsten Kurzgeschichten und Fragmente selbiger; einige Essays, Poetry Slams und Reden haben sich ebenfalls dazu verirrt.

Foto: privat
Gedicht und Fragen an Sofía González Sánchez
Welche Zeile, welches Bild oder welches Wort aus deinem Gedicht magst du besonders?
Mir gefällt „Lebenswegesrand“ sehr, da ich gerne mit Wortneuschöpfungen arbeite und ich finde, dass diese ein besonders schönes Bild gibt.
Was bedeutet Lyrik für dich?
Lyrik ist für mich eine Art meine Gedanken, Situationen und Gefühle zu ordnen, zu analysieren und diese kreativ auszudrücken. Außerdem spiele und experimentiere ich gerne mit Sprache (ich liebe Wortwitze btw) und so etwas kann man super in Lyrik verwenden, also ist es für mich auch eine interessante Art, meine Zeit zu verbringen.
Wo oder wie schreibst du am liebsten?
Ich schreibe an vielen unterschiedlichen Orten, überall dort, wo ich plötzlich Ideen habe, oder einen ruhigen Platz, um diese auszuarbeiten. Am liebsten schreibe ich draußen im Sommer, wahlweise auf dem Balkon, einer Picknickdecke oder einer Parkbank in mein Notizbuch.
Ich schreibe gerne spontan. Am besten finde ich es, wenn mir eine Idee kommt, ich aber keine Zeit habe sie aufzuschreiben und ich über den Tag Stück für Stück alle Puzzleteile in meinem Kopf zusammenlege und dann am Nachmittag meine Ideen aufschreibe und fertig ausarbeite. Daraus sind schon einige meiner Lieblingstexte entstanden. Eine andere Form ist, einfach nur zu beobachten und aufzuschreiben, was ich sehe, höre, rieche, etc. Und was für Bilder mir dabei in den Kopf kommen. Das hat für mich etwas Meditatives und Entspannendes.
Sofía González Sánchez, *2010, Stuttgart. Beobachtet gerne Situationen, Gedanken und Gefühle und versucht dieses Unhaltbare und Unbeschreibliche in Worte zu fassen, auch um ihre Kopfbibliothek zu ordnen. Mit ihrer Kunst möchte sie andere zum Nachdenken bringen, sie berühren und ihnen Mut zusprechen. Sie ist fasziniert von vielen Dingen: kleinen Momenten, Worten, Natur, Musik und dem wunderschönen Ausblick auf ihre Heimatstadt.

Foto: privat
Gedicht und Fragen an Kseniia Bogdanchikova
Wie ist die Idee für dein Gedicht entstanden?
Als ich das Thema des Monats „Er hat eine Mütze für mich gestrickt“ gesehen habe, habe ich zunächst eine Weile darüber nachgedacht, womit ich es verbinde und wie ich es interpretieren könnte. Dann habe ich überlegt, in welchem Zusammenhang jemand „für mich“ eine Mütze stricken könnte. So bin ich auf die Grundidee meines Gedichts gekommen.
Um dem Gedicht eine tiefere Bedeutung zu geben, habe ich das Stricken der Mütze als die eine gute Tat gegenüber „mir“ dargestellt, während alles andere um uns herum negativ ist. Die Wiederholung dieser Zeile soll zeigen, dass man, selbst wenn eine Person einen immer wieder schlecht behandelt oder einem wiederholt wehtut, immer wieder auf diese eine (oder wenige) positive Handlung zurückkommt und damit das viele Negative rechtfertigt, obwohl die Menge an negativen Erfahrungen deutlich größer ist.
Welche Zeile, welches Bild oder welches Wort aus deinem Gedicht magst du besonders?
Ich mag einfach die sich immer wieder wiederholende Zeile „Er hat eine Mütze für mich gestrickt“, da sie, besonders ihre Wiederholung, dem Gedicht eben seine hauptsächliche Bedeutung gibt.
Was bedeutet Lyrik für dich?
Lyrik ist für mich etwas, womit man seine Gefühle und Gedanken frei und in verschiedenen Formen darstellen kann, sich kreativ ausdrücken und einfach frei sein kann. Lyrik kann man schreiben, lesen und sogar singen, und es gibt quasi keine Grenzen. Man kann unendliche Metaphern verwenden, man kann alles auch richtig offensichtlich darstellen und egal wie man es macht oder was man macht, man kann nichts falsch machen.
Wo oder wie schreibst du am liebsten?
Am liebsten schreibe ich in meinem Zimmer, wo ich von niemandem gestört werden kann, auf Papier, damit ich zur Inspiration neben dem Schreiben auch kleine Notizen oder sogar Zeichnungen auf das Blatt zeichnen kann.
Kseniia Bogdanchikova, *2011, Hamburg. Schreibt Texte, zumindest manchmal. Meistens werden sie eher gesungen als geschrieben. Bewegt sich irgendwo zwischen Lyrik, Musik, Chaos und zu vielen Gedanken.

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Gedicht und Fragen an Charlotte Jelinek
Wie ist die Idee für dein Gedicht entstanden?
Es geht in dem Gedicht um die Zeit, die ich wegen Post-COVID zu Hause verbringen musste, und wie man sich bei dieser Erkrankung nur langsam sein Leben zurückerkämpfen kann (oder in manchen Fällen leider gar nicht). Es geht um die kleinen Erfolge und darum, dass man trotz dieser vorsichtig bleiben muss, aber ich denke, dass das Gedicht auf viele Arten interpretiert werden kann.
Welche Zeile, welches Bild oder welches Wort aus deinem Gedicht magst du besonders?
Mir hat die Stelle mit dem Uhrwerk ganz gut gefallen. Und mit der Person, der die Augen zugehalten werden.
Was bedeutet Lyrik für dich?
Ich finde Lyrik sehr universell. Besonders für Songtexte interessiere ich mich in letzter Zeit, die sind ja auch eine Form von Lyrik. Was mir an Lyrik gefällt, ist, wenn sie vage bleibt. Irgendwie greifbar, aber irgendwie auch nicht. Eher ein Gefühl, das nicht genau benannt werden kann. Was genau Lyrik für mich bedeutet, kann ich aber nicht definieren.
Wo oder wie schreibst du am liebsten?
Ich schreibe immer noch oft auf meinem Handy oder einem Laptop, aber mittlerweile habe ich auch angefangen, in Tagebücher zu schreiben. Meistens sitze ich an einem Schreibtisch oder im Bett.
Charlotte Jelinek, *2011, Berlin. Begann schon früh sich eigene Geschichten und Fantasiewelten auszudenken. Mittlerweile experimentiert sie mit Lyrik und Prosa und einem Mischmasch aus beidem. Außerdem hat sie ihren ersten Roman fertiggestellt. Neben dem Schreiben spielt sie Gitarre, zeichnet oder hört Musik.

Foto: privat