Unsere Gewinner im Dezember 2014

‚Salz – Weißes Gold‘ war unser Thema im Dezember. Zum Jahresabschluss wollten wir von euch wissen, ob Salz für euch mehr ist, als die Würze in eurem Mittagessen. Inspiration boten euch Exponate aus dem Salzmuseum Lüneburg und das Gedicht ’salat‘ von Ulrike Draesner. Hier sind die Gewinnertexte.

Salzwüste

Vladimir Schadrin

1996

Das weiße Gold brennt
heißer als die Sonne im tropischen Zenit
die Karawane will nicht, sie muss.
Wir trotzen dem Salzsturm
der sich langsam ankündigt
und gierig an unseren Wasservorräten zehrt.
Die Wüste breitet ihre Flügel aus
steigt in die Höhe
baut die Mauer auf
die uns niederreißt.
Wir kriechen weiter
vorwärts! immer weiter
trotzen dem weißen Tod
läuten unser Lied ein.
Salz verfeinert edle Speisen
und erstickt den faulen Keim
drum von allen weiten Reisen
bringen wir dies Wunder heim.

Zauberzeug - ein kleiner Zauberspruch für Alltagsglück -

Tom Bussemas

2002

kleine Flöckchen
tanzen durch den Raum
prasseln aus dem Streuer
entzünden einen Traum
zip zap Zaubermut
fip fap Feuerglut
weißes Gold, du tust so gut!
die Körnchen fallen auf mein Ei
zaubern den Geschmack herbei!
der Einzug
ins neue Haus wird begangen
Glückwünsche und Trinksprüche
sollen die Besitzer erlangen
zip zap Zaubermut
fip fap Feuerglut
weißes Gold, du tust so gut!
weiße Magie vertreibt die bösen Geister
Brot und Salz sind ihre Meister!
viele Facetten
geordnet nach Norm
bewundert den Schein,
die Spiegelung, die Form
zip zap Zaubermut
fip fap Feuerglut
weißes Gold, du tust so gut!
die Gestalt der Kristalle
ergötzen und alle!
der Raum
im Ozean der Welt
in der unbekannten Tiefe
für uns Rätsel offenhält
zip zap Zaubermut
fip fap Feuerglut
weißes Gold, du tust so gut!
schenkst uns Leben, unbekannte Wesen
lass uns von Meerestieren lesen!
Salz
in der Suppe des Lebens
wir genießen die Würze
den Glanz und das Glück
zip zap Zaubermut
fip fap Feuerglut
weißes Gold, du tust so gut!
zip zap Zaubermut
fip fap Feuerglut
weißes Gold, du tust so gut!

kristalltrüb

Friederike Teller

1998

fade konformität
taktvoll trottend den bordstein entlang
augenlider halb geschlossen, halb vorbei, halb vergessen
pfeile prallen ab und sinken träge nieder
kein,
weder aus noch ein
dazwischen ohne dabei zu sein
halbherzige fragezeichen schweben lose
und dann
bewusste blicke öffnen weite
heute, jetzt, vielleicht auch morgen
raue hände greifen
zu
salzige taten entfachen pulsierende stärke
beginnen, planen, aufrecht blicken
krosses knäckebrot als wegbegleiter
endlich horizontlosigkeit

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(es orientiert sich an der bibelstelle der bergpredigt in der gesagt wird ihr seid das salz der welt wenn ihr, aber nicht salzt, womit dann…. wenn wir also nicht salzen, ändern, leben…dann schmeckt das leben fad…zum vergleich…. Anmerkung der Autorin)

Aufgerieben

David Jansen

1994

Natriumchlorid
im Gitter des Kristalls
sich das Ja-Wort gegeben
Heirat aus Zwang
der Physik
geschuldet.
Verbunden gefangen
auf ewig bis dass
die Energie sie
scheidet.
Zermalmend das
universelle Zahnrad
namentlich Zeit
das Stärkste im
All.
Zerrieben zertrennt
auseinander gesprengt
zerstoben
die Teilchen
entzweit.

erdnusskerne rösten

Aaron Schmidt-Riese

1995

lachend gingen wir auseinander
ohne süßes abschiesdrama
wir betonten
die gemeinsam gehabte zeit
wir versprachen
uns wiederzusehen eines tages
wir umarmten uns und
du verschwandest mit deinen koffern zum check-in auf ungewiss ohne einen weiteren blick
und da sitze ich wie
früher
hähnekrähen und vögel hören
bei kugelschreiberkratzen am teetisch
aber du? –
ich will wieder
erdnusskerne rösten
mit dir
und leise perlt
mir eine einsame träne durchs gesicht
und schmeckt
salzig

Und hier ein Beitrag „außer Konkurrenz“: (Jeder Teilnehmer kann maximal zweimal Monatsgewinner werden. Weitere eingesandte Gedichte werden trotzdem von der Jury bewertet. Sollte ein Gedicht nach Punkten unter den Besten sein, wird es „außer Konkurrenz“ veröffentlicht.)

schmutziggrau

Ansgar Riedißer

1998

und glitzern und funkeln und feiner kristall:
das salz deiner tränen hat seinen geschmack verloren
konserviert nicht länger mein mitleid dies sind
ionisierte gefühle in symmetrischen gittern
welches wasser welches licht hat uns geboren
metall und nichtmetall teilchen mit konträrer
ladung dass wir uns so untrennbar anziehen und
träumst du noch manchmal vom meer
jetzt eine träne die von deiner haut auf
meinen finger läuft wird mich nicht halten von jedem
weiteren kuss bleibt auf meinen lippen salz

Salz: früher Luxusprodukt, heute etwas ganz Alltägliches. Im Dezember drehte sich bei »lyrix« alles um das ‚weiße Gold‘, das vielen Städten jahrhundertelang zu großem Reichtum verhalf. Wir wollten von euch wissen, was ihr mit dem Mineral verbindet.

Einfallsreich und vielseitig sind die Texte, die uns erreicht haben. Sie handeln von lebensgefährlichen, gewaltigen Reisen durch Salzwüsten oder spielen mit der Idee von Salz als chemische Verbindung. Auch intensive, intime Momente des Abschieds mit salzig schmeckenden Tränen waren Thema eurer Gedichte. Ein Teilnehmer bringt das „Zauberzeug“ Salz mit dem großen Ganzen zusammen: Für ihn ist es die magische Würze in der „Suppe des Lebens“

Vielen Dank für eure Einsendungen.