Teile Plastik.

Die Jury hat entschieden!

Zehn korrekte deutsche Sätze sollen wir aus Anja Utlers Tabelle „Rechnungslegung.“ bilden. Eine Aufgabe, die uns zum Nachdenken bringt, denn es geht um Konsum, um Umweltverschmutzung, die Zerstörung unserer Ressourcen und das Ende der Artenvielfalt. Zwei Worte haben wir aus Anja Utlers Text ausgewählt: „Teile Plastik.“ Sie bilden unser Thema im April. Passend dazu hat das Museum der Brotkultur Ulm das Bild eines leeren Einkaufswagens, gemalt von Bernd Finkeldei, als Symbol für (sinnlosen?) Konsum ausgewählt. Wir sind gespannt auf eure Texte zum April-Thema „Teile Plastik.“!

Rechnungslegung.

Anja Utler

Aus: Anja Utler, ausgeübt. Eine Kurskorrektur, Edition Korrespondenzen: Wien 2011

Es ist April und langsam werden endlich die Bäume wieder grün, die Vögel zwitschern, es riecht nach Frühling. Aber wie lange noch? Wie verändert sich unsere Umwelt minütlich, täglich, jährlich und welchen Anteil haben wir daran?

Anja Utler stellt uns in ihrem Text „Rechnungslegung.“ eine Aufgabe: Zehn korrekte deutsche Sätze sollen wir bilden. In den Spalten und Zeilen einer Tabelle finden wir Worte und Satzteile, die bunt gemischt sind und die es „richtig“ zu kombinieren gilt. „Auf 1 / m2 / der Erde / kommen / mittlerweile 60 / Teile Plastik.“ Kann das stimmen? Müsste da nicht noch eine viel höhere Zahl stehen? Beim Zusammenpuzzeln der Sätze kommt man ins Nachdenken: Wie viele Tiere werden jeden Tag lebendig gekocht? Wie viele ha Wald werden jährlich zerstört?

In unseren Alltag denken wir oft gar nicht daran, welche Konsequenzen unser Verhalten für die Natur und unsere Erde hat. Manchmal nervt es uns auch, wenn wir schon wieder den gehobenen Zeigefinger vorgehalten bekommen. Oft soll es schnell gehen und bequem sein. Wir kaufen gerne und viel: Essen, Mode, Technik. Und dabei kann es passieren, dass wir uns immer weiter von der Natur und dem Natürlichen entfernen. Künstlich ist in.

Um über Konsum, unsere Umwelt und unsere Entfremdung von der Natur nachzudenken, haben wir stellvertretend die Zelle „Teile Plastik.“ aus Anja Utlers Text ausgewählt. Allein diese zwei Worte rufen eine Vielzahl an Assoziationen hervor. Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr „Teile Plastik.“ hört? Plastikmüll, der achtlos auf die Straße geworfen wurde oder im Meer treibt? Künstliche Schönheitsideale, Silikonbrüste, mit Photoshop wegretuschierte Fettpolster oder Schminkfilter auf Instagram? Oder aber „Teile Plastik“, die einem viel bedeuten, obwohl sie nur Plastik sind? Wie viel Plastik und Künstlichkeit ist um uns herum zu finden? Gibt es Alternativen zu Plastik?

Wir freuen uns auf eure Einsendungen zum Thema „Teile Plastik.“!

Die Jury hat entschieden!

Anja Utler
*1973, arbeitet als Dichterin, Essayistin und Übersetzerin. Semesterweise unterrichtet sie am Institut für Sprachkunst der Universität für angewandte Kunst in Wien. Für ihre dichterische Arbeit wurde Anja Utler vielfach ausgezeichnet. 2003 etwa erhielt sie für Gedichte aus ihrem Band „münden – entzüngeln“ den Leonce-und-Lena-Preis, 2014 wurde ihr für die „innovative Darstellung aktueller Themen wie Ökologie und Geschlecht in der Poesie“ der Basler Lyrikpreis zugesprochen.

Anja Utler, Foto: Franz Hammerbacher

Jüngste Publikationen: „Von den Knochen der Sanftheit. Behauptungen, Reden, Quergänge“ (Edition Korrespondenzen, 2016), „»manchmal sehr mitreißend«. Über die poetische Erfahrung gesprochener Gedichte“ (transcript Verlag, 2016) sowie „ausgeübt. Eine Kurskorrektur“ (Edition Korrespondenzen, 2011). Utler übersetzt aus verschiedenen slavischen Sprachen und dem Englischen. Ihre eigenen Texte wurden gleichfalls in zahlreichen Sprachen publiziert und auf Festivals/Lesungen in Europa, Asien und den USA vorgestellt. 2015 war sie Writer-in-Residence am Oberlin College, Ohio.

"Was wäre, wenn...?", Bernd Finkeldei, © Bernd Finkeldei, Düsseldorf

Bernd Finkeldei
Was wäre, wenn…?
1992
Acryl auf Leinwand
Museum der Brotkultur

Das Bild eines Einkaufswagens, keineswegs hyperrealistisch gemalt und also eindeutig der Sphäre der Kunst zugeordnet, wird dennoch als Symbol für Konsum verstanden. Er ist leer, kann aber potenziell gefüllt werden. Er steht in einem undefinierten Raum. Der Einkaufswagen wird damit zu einem Gefäß für die Wünsche, Sehnsüchte und Fragen des Betrachters.

Museum der Brotkultur Ulm
Das Museum der Brotkultur ist ein Wissensmuseum, das die Bedeutung von Getreide und Brot für die kulturelle Entwicklung der Menschheit umfassend darstellt. Dazu gehören natur-, technik- und sozialgeschichtliche Aspekte der Brotherstellung ebenso wie das Verständnis von Brot als Sinnbild für Leben in der jüdisch-christlichen Vorstellungswelt. Besonderes Gewicht liegt auf der Auseinandersetzung mit dem Mangel an Brot bzw. Nahrung in Geschichte und Gegenwart. Hochrangige Kunstwerke des 15. bis 21. Jahrhunderts zeigen, wie tief und vielschichtig das Motiv Brot bzw. Getreide in unserer Kultur verankert ist.

Gegründet wurde das Museum im Jahre 1955 von dem Unternehmer Dr. h.c. Willy Eiselen und seinem Sohn Dr. Dr. h.c. Hermann Eiselen. Ihr Anliegen war es, die Bedeutung von Brot für den Menschen anschaulich zu machen. 1991 übernahm die private Vater und Sohn Eiselen Stiftung Ulm die Trägerschaft des Museums.

Untergebracht ist das Museum inmitten der Ulmer Altstadt im 1592 erbauten Salzstadel, einem Renaissancegebäude, das bis Anfang des 19. Jahrhunderts als Lagerhaus für Getreide, Salz und andere Güter diente.

museum-brotkultur.de