nulpe, pumpel, culpa, pose

„nulpe, pumpel, culpa, pose“ – wie bitte? Im Juni dreht sich bei lyrix alles um den Klang von Wörtern, das Spiel mit Sprache und das Neuschaffen von Bedeutung. Ein Text von Dagmara Kraus zeigt euch, wie man mit Lauten malen und Wörter in ganz andere Zusammenhänge setzen kann. Noch mehr Inspiration gibt es von dem Gemälde „Erzählung für W. Turner“ von Fred Thieler aus der Berlinischen Galerie. Schickt uns im Juni eure Wortspielereien und Sprachkunstwerke!

Dagmara Kraus

tuste nulpe
tuste pumpelrose

fühlste dich nicht in der culpa
fühlste dich wohl in der pose

rumpelstilzchen
um verchustate chose

nunmehro relaxiere: es sind
die flügeltiere zu

verklebt hierneben
um dir den orest zu geben

aus: Dagmara Kraus, wehbuch (undichte prosage), roughbooks 2016

Dagmara Kraus schreibt ihre Texte „laut“ und daher sollten sie auch laut gelesen werden, findet sie. Wie es klingt, wenn sie selbst „tuste nulpe“ liest, könnt ihr euch hier anhören:

Dagmara Kraus, „tuste nulpe“

Und? Hat euch der Text den „orest“ gegeben? Hoffentlich nicht! Mit viel Sprachwitz und Doppeldeutigkeiten formt Dagmara Kraus einen Text, den man versteht, aber auch irgendwie nicht versteht. Manche Wörter kennt man, manche versteht man im Zusammenhang, bei manchen hat man direkt Assoziationen im Kopf und dann sind da wieder ein paar Wörter, für die bräuchte man ein Lexikon. Dagmara Kraus sammelt und liebt Wörter: Sie kommen aus der Umgangssprache wie „tuste“ für „tust du“ oder aus Dialekten wie „pumpelrose“ für „Pfingstrose“. Dagmara Kraus setzt sie in ganz neue Zusammenhänge und löst alle Grenzen auf. Der oben zitierte „orest“, der euch hoffentlich nicht gegeben wurde, ist übrigens eigentlich eine Figur aus der griechischen Mythologie.

Spielt mit Wörtern und „malt laut“. Ihr könnt die Begriffe aus dem Text von Dagmara Kraus aufgreifen und weiterspinnen oder ganz neue Worte und Wortfelder erfinden. Ihr könnt uns Quatschgedichte schicken, Klangmalereien oder auch Texte mit Doppeldeutigkeiten und kleinen Worträtseln. Vielleicht mit Wörtern aus eurem Dialekt?

Welche Wörter klingen bei euch und in welchen neuen Zusammenhang bringt ihr sie? Wir freuen uns schon jetzt auf eure Interpretationen des Themas „nulpe, pumpel, culpa, pose“!

Dagmara Kraus, geboren 1981 in Wrocław, lebt in Berlin. Studium der Komparatistik, Kunstgeschichte und des Literarischen Schreibens in Leipzig, Berlin und Paris. Sie schreibt Lyrik und übersetzt aus dem Polnischen und Französischen. Letzte Veröffentlichungen: „wehbuch (undichte prosage)“, Urs Engeler/roughbooks 2016, „das vogelmot schlich mit geknickter schnute (zweiundzwanzig elfzeiler)“, kookbooks, 2016 und zusammen mit Marc Matter: „Entstehung dunkel. Ein lyrischer Geräuschtext“, WDR/SWR 2014.

Dagmara Kraus,Foto: Dirk Skiba
Fred Thieler, Erzählung für W. Turner, 1962, (c) VG BILD-KUNST Bonn, 2017, Repro: Kai-Annett Becker

Fred Thieler (1916 – 1999)
Erzählung für W. Turner
1962
Mischtechnik auf Leinwand
160 x 315 cm

Fred Thieler gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen abstrakten Expressionismus. Nach ersten Erfahrungen mit der gegenständlichen Malerei verschrieb er sich in den 1950er Jahren der Abstraktion. In den 1960er Jahren begann er, den Bildträger am Boden liegend zu bearbeiten. Die Farben wurden mit Gießkannen und Eimern geschüttet und durch Falten, Knicken und Abheben des Bildträgers gelenkt.

Die Malerei sollte keine Inhalte mehr darstellen, sondern unmittelbar auf den Betrachter wirken. Der gestische Auftrag der Farbe diente als zentrales Ausdrucksmittel.

Berlinische Galerie, Eingangsbereich, Foto: Nina Strassgütl

Berlinische Galerie
Landesmuseum für moderne Kunst, Fotografie und Architektur

Die Berlinische Galerie ist eines der jüngsten Museen der Hauptstadt und sammelt in Berlin entstandene Kunst von 1870 bis heute – mit lokalem Fokus und internationalem Anspruch zugleich. 1975 gegründet, eröffnete das Landesmuseum 2004 in Nachbarschaft zum Jüdischen Museum sein eigenes Haus in einer großzügig umgebauten Industriehalle mit 4.600 qm Ausstellungsfläche. Bildende Kunst – Malerei, Grafik, Skulptur, Multimedia – Fotografie, Architektur und Künstler-Archive formen einen Fundus, aus dem durch interdisziplinäre Verschränkungen spannungsvolle Dialoge entstehen. Herausragende Sammlungsbereiche sind Dada Berlin, die Neue Sachlichkeit und Osteuropäische Avantgarde. Die Kunst des geteilten Berlin und der wiedervereinten Metropole bildet einen weiteren Schwerpunkt.

berlinischegalerie.de