Kram-Gedanken

Die Jury hat entschieden!

lyrix begrüßt euch herzlich im neuen Wettbewerbsjahr! Wir starten mit Muße ins Jahr 2016: Unser aktuelles Thema heißt „Kram-Gedanken“. Anregungen bekommt ihr von Elke Erb und ihrem Gedicht „Idyll“. Außerdem freuen wir uns, im Januar zu Gast im Museum Potsdam zu sein.

Idyll

Elke Erb

Ich lag und sann, da kamen Kram-Gedanken.
Natürlich ist es recht, den Kram im Kopf zu haben.
So hältst die Sterne du in ihren Bahnen.
Statt aus der Welt heraus zu existieren
und fremd zu sein wie dir mehr als den Tieren.
Lass deinen Kram wie Himmelskörper strahlen
und denke dir zum Abschluss Brombeerranken.

(aus: Elke Erb, Meins, roughbooks 2011)

Wer kennt das nicht? Man grübelt am Schreibtisch über Hausaufgaben, einer Uni-Hausarbeit oder einer Bewerbung und kommt partout nicht weiter. Es fällt einem nichts ein, man steckt fest, fängt aus Frust schon an, sich selbst abzulenken. Dann, später, ganz plötzlich, beim Fahrradfahren, Gemüseschneiden fürs Abendessen oder beim Einschlafen kommt die zündende Idee! Ganz nebenbei. Oder doch nicht „einfach so“? Gute Ideen oder Problemlösungen kommen oft dann, wenn man seine Gedanken fliegen lässt und gefühlt an gar nichts Besonderes denkt. „Kram-Gedanken“ nennt Elke Erb dieses Treibenlassen in ihrem Text „Idyll“. Friedlich, ruhig und verträumt kann es sein, wenn man seinen Gedanken einfach mal freien Lauf lässt und sich eine Auszeit vom Stress und all den Reizen des Alltags nimmt. Aber es ist gar nicht so leicht, sich diesen „Kram-Gedanken“ hinzugeben oder Situationen zu schaffen, in denen sie kommen. In vielen Fällen haben wir es fast verlernt, zu verweilen. Uns ist dann schnell langweilig oder wir haben das Gefühl, gar nicht die Zeit zu haben „nichts zu tun“.

Nichtstun wird oft mit Faulheit gleichgesetzt. „Müßiggang ist aller Laster Anfang“, heißt es. Dabei ist der Gang zur Muße alles andere als träge und erst recht kein Zeichen eines schlechten Charakters. So bedeutet Muße auch ursprünglich im Altgriechischen Ruhe, Studium und Schule. Heute heißt Muße, seine Gedanken im Hier und Jetzt treiben zu lassen, sich dem hinzugeben, was Ruhe und Freude bringt, Entschleunigung. Jeder findet Muße auf einem anderen Weg – sofern man sie zulässt. Die einen erfahren Muße, wenn sie in der Natur sind, die anderen, wenn sie kochen oder handwerkeln. Und dabei treiben dann auch die Gedanken. Also, lass deine Gedanken frei und deinen „Kram wie Himmelskörper strahlen“!

Wann kommen euch „Kram-Gedanken“? Was passiert, wenn ihr eure Gedanken treiben lasst? Hilft es euch, scheinbar nichts zu tun? Wann strahlt euer Kram „wie Himmelskörper“? Kommt ihr überhaupt dazu, Muße zuzulassen? Oder wird euch schnell langweilig, wenn ihr einfach mal eure Gedanken schweifen lasst?

Wir freuen uns sehr auf eure Einsendungen zum Thema „Kram-Gedanken“!

Die Jury hat entschieden!

Elke Erb

Die Autorin unseres Monatsgedichts „Idyll“ wurde 1938 in Scherbach (Eifel) geboren. 1949 Übersiedlung nach Halle (DDR), 1958/59 Landarbeit, 1963 Lehrerexamen, 1963/65 Verlagsarbeit. Seit 1966 freiberuflich, Kurzprosa, Lyrik, prozessuale Texte, Übersetzungen, Nachdichtungen, Herausgaben. Lebt in Berlin.

Zahlreiche Übersetzungen und Nachdichtungen, vor allem aus dem Russischen, und Herausgaben. Zuletzt erschienen „die crux“ (Prosa, 2003) und „Gänsesommer“ (Gedichte u. Kurzprosa, 2005). Sowie „Sonanz“ – Gedichte (Urs Engeler Editor 2008) und „Meins“ – Gedichte (roughbooks 2010)

Auszeichnungen u.a. Peter-Huchel-Preis 1988 (für Kastanienallee. Texte und Kommentare, 1987), Heinrich-Mann-Preis (zus. mit Adolf Endler) 1990, Erich-Fried-Preis 1995, Ida-Dehmel-Preis 1995, Norbert-C.-Kaser-Preis 1998, F.-C.-Weiskopf-Preis der Akademie der Künste Berlin 1999, Hans-Erich-Nossack-Preis 2007 für ihr Gesamtwerk.

http://www.poetenladen.de/elke-erb.html
http://www.engeler.de/erb.html
www.engeler.de

Elke Erb (Foto: Urs Engeler)

Im Januar 2016 besucht »lyrix« das Museum Potsdam. Passend zu unserem aktuellen Leitmotiv „Kram-Gedanken“ hat das Museum als Exponat das Seitenruder eines Luftschiffes ausgewählt: Wie unsere treibenden Gedanken zieht auch ein Luftschiff eher gemächlich dahin.

Das Seitenruder
Seitenruder des Luftschiffes Schwaben, 1912, Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte

Noch vor Fertigstellung des Potsdamer Luftschiffhafens 1912 landete das erste Luftschiff, die Schwaben, 1911 auf dem Gelände. Von dem 140 Meter langen, 450 PS starken und mit einem Gasinhalt von 16.500 m³ ausgestatteten Luftschiff hat sich einzig dieses Seitenruder erhalten.
1912 verbrannte es nach 224 Fahrten bei einem Unfall auf dem Düsseldorfer Flugfeld.

Blick in die Ständige Ausstellung mit dem Seitenruder des Luftschiffes Schwaben, 1912, Potsdam Museum (Foto: Kienzle & Oberhammer)

Das Potsdam Museum
Das Potsdam Museum ist ein veranstaltungsorientiertes Stadtmuseum, das sich seit 2012 in der historischen Mitte Potsdams befindet. In seinem eindrucksvollen Museumsbau präsentiert das Potsdam Museum auf 1.300m² Ausstellungsfläche vielfältige Objekte zur Kultur und Geschichte der Stadt. Die Ständige Ausstellung „Potsdam. Eine Stadt macht Geschichte“ lädt zu einem Spaziergang durch über 1000 Jahre Potsdamer Geschichte ein. Dabei erleben die Besucher, wie sich die Stadt im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat. Parallel dazu werden wechselnde Sonderausstellungen zur Stadt-, Kunst- und Kulturgeschichte mit überregionaler Strahlkraft gezeigt. Das Forum für Kunst und Geschichte bietet darüber hinaus ein umfassendes Begleit- und Veranstaltungsprogramm zu den Ausstellungen und aktuellen Themen der Landeshauptstadt an. Für unsere kleinen Besucher gibt es abwechslungsreiche und spannende museumspädagogische Angebote.

www.potsdam-museum.de

Das Potsdam Museum (Foto: Mathias Marx)