Monatsthemen

und Gewinner

Zwischen Gut und Böse

Die Jury hat entschieden!

Wettbewerb im September 2016

Im September bewegt sich lyrix „zwischen Gut und Böse“. Kann man überhaupt definieren, was gut und was böse ist? Sind wir entweder gut oder böse oder sind wir nicht vielmehr etwas „dazwischen“? Wie sieht er aus, dieser Zwischenraum? Für unser Thema hat Georg Bydlinski eigens das Gedicht „Zwischenvers“ verfasst. Ebenso könnt ihr euch von drei Exponaten aus dem Rheinischen Landesmuseum, dem Museum am Dom und dem Stadtmuseum Simeonstift in Trier rund um den römischen Kaiser Nero inspirieren lassen. Auch Nero – Kaiser, Künstler, Tyrann – bewegte sich zwischen Gut und Böse.

Zwischenvers

Georg Bydlinski

Überall
verzweckte Gebäude
mit genormten Türen und Fenstern

Sich Räume schaffen
dazwischen:
Atemraum
Denkraum

Dahinterkommen
dass du nur dazwischen
du selbst werden kannst

nicht vereinnahmt
facettenreich
frei

In den Zwischenräumen wachsen
wie ein Baum auf einer Lichtung

In den Zwischenräumen
tanzen und träumen

(für lyrix geschrieben)

Ist ein vegetarischer Löwe, der kranke Zebras pflegt, ein guter Löwe? Was oder wer „gut“ ist, hängt immer vom großen Ganzen ab, muss zum Wesen passen und unterliegt wechselnden gesellschaftlichen Wertvorstellungen. Von uns wird erwartet, dass wir gut sind. Dabei spielt es eine große Rolle, was wir selbst, aber auch unsere Familie, Freunde, Umfeld, Gesellschaft als „gut“ definieren. In jedem Falle bedeutet „gut sein“ zu einem größeren Ganzen zu passen. Zu sich selbst und zu anderen. Sich für „gut“ oder „böse“ zu entscheiden, hat also viel mit (Selbst-)Erkenntnis zu tun. Wenn es anscheinend die Norm ist, gut zu sein, was ist dann „böse“ und wann ist jemand böse? „Böse sein“ wird meistens mit Zerstörung assoziiert. Wenn das Gute Bindungen zusammenhält, für Liebe und Gerechtigkeit steht, ist das Böse sein Gegenspieler, der diese Bindungen aufzulösen versucht. Wer böse ist, will anderen Schaden zufügen, sie in Versuchung führen, sie manipulieren, stellt seine eigenen Interessen über alles andere.

Wenn Gut und Böse Kategorien sind, die wir vereinbart haben, heißt das im Umkehrschluss, dass sie relativ sind? Kann dann nicht jeder selbst entscheiden, was nach seiner Moralvorstellung „gut“ und „böse“ ist? Besonders Religion, Kultur und Philosophie haben immer wieder versucht, allgemeingültige Definitionen für Gut und Böse festzulegen. Und das macht auch Sinn, vereinfachen sie doch unser Zusammenleben auf dieser Welt. Eine Frage, die uns in diesem Zusammenhang immer noch bewegt: Ist der Mensch von Natur aus gut, böse oder weder noch? Gut und Böse sind nicht nur Antagonisten, sie bedingen sich auch. Das eine gibt es nicht ohne das andere. So trägt auch jeder sowohl das Gute als auch das Böse in sich. Und nicht das Schicksal – oder gar der Teufel – ist schuld, wenn wir etwas Böses tun, sondern wir mit unserem eigenen Willen und unserer Entscheidungsfähigkeit sind dafür verantwortlich. Letztendlich ist es Goethes Faust, der sich entschließt, etwas Böses zu tun, nicht Mephisto, der ihn zwingt.

Um genau diesen Zwischenraum, das Austarieren, das Hin und Her zwischen Gut und Böse geht es bei unserem Thema. Um die Erkenntnis, dass es vielleicht das „Dazwischen“ ist, was uns ausmacht. Oder wie Georg Bydlinski in seinem Text „Zwischenvers“ schreibt:

    Dahinterkommen
    dass du nur dazwischen
    du selbst werden kannst

 

Gibt es für euch eine klare Trennung zwischen Gut und Böse? Oder bewegen wir uns nicht vielmehr permanent in einem „Dazwischen“? Wie genau sieht es aus in dem Raum „zwischen Gut und Böse“? Wann seid ihr gut, wann böse, wann beides? Spürt ihr Gut und Böse manchmal als zwei magnetische Kräfte, die an euch ziehen? Fühlt ihr euch manchmal vom Bösen verführt? Zum Guten gezwungen? Sind die Kategorien Gut und Böse überhaupt noch zeitgemäß?

Wir sind gespannt, wie ihr „Zwischen Gut und Böse“ interpretiert und freuen uns auf eure Texte im September!

Die Jury hat entschieden!