Monatsthemen

und Gewinner

zu tisch war immer einer mehr geladen

Die Jury hat entschieden!

Wettbewerb im September 2017

Im September tischt lyrix auf: „zu tisch war immer einer mehr geladen“ heißt unser aktuelles Thema. Lyrik-Inspiration gibt es von José Oliver, aus dessen Text „bauern brot“ unsere titelgebende Zeile stammt. Passend dazu haben das Museum am Dom, das Rheinische Landesmuseum und das Stadtmuseum Simeonstift in Trier anlässlich des Luther-Jahres drei Exponate ausgewählt. Wen ladet ihr an euren Tisch ein? Schickt uns eure Texte!

bauern brot

José F.A. Oliver

& kreuz
(pflugspur des segens-
messers) es war

1 heilig zeichen & aus
 dem herr-
 gottswinkel sprach

 die ährenlese
 dank / das mahl & war
 der backtag stets

zugegen & im
gebet das werk / die müh
 vom vorrat nach-

gereicht
die arbeitsleiber / sie
 buken brot

einmal im monat &
zu tisch war immer einer mehr

geladen

Ein voller Tisch mit dampfenden Schüsseln, Tellern, klapperndem Besteck, Gläsern, Blumen. Um ihn herum lachende Gesichter und Stimmengewirr im Raum. Mittendrin: ein leerer, gedeckter Platz. Für wen er wohl gedacht ist? Vielleicht ist ein Gast einfach spät dran und steckt noch im Stau? Vielleicht ist der freie Platz aber auch für jemanden gedacht, der nicht mehr bei uns ist und an den wir uns so erinnern möchten? Oder es gehen so viele Menschen bei uns ein und aus, dass wir vorsorglich schon immer einen Platz mehr decken?

 

Gemeinsames Essen steht für Geselligkeit und für Gastfreundschaft. Zum Feiern gehört für uns auch Essen, sei es auf Familienfeiern oder offiziellen Anlässen. Der Tisch, um den wir versammelt sind, verbindet uns. Auch in der Bibel spielt das gemeinsame Essen eine zentrale Rolle. José Oliver greift in seinem Text „bauern brot“ die christliche Symbolik auf und spielt auf das letzte Abendmahl an. Jesus schenkt seinen Jüngern auf diesem die ewige Gemeinschaft mit ihm, bevor er gekreuzigt wird.

Für wen haltet ihr einen Platz an eurem Tisch frei? Welche Bedeutung hat ein gemeinsames „Mahl“ für euch? Wer könnte die eine Person sein, die „mehr geladen“ ist? Denkt ihr dabei an das letzte Abendmahl oder hat die Zeile für euch einen ganz weltlichen Bezug? Wir freuen uns auf eure Texte zum Thema „zu tisch war immer einer mehr geladen“!

José F.A. Oliver
geb. 1961 in Hausach / Schwarzwald. Andalusischer Herkunft. Ausgezeichnet u.a. mit dem Basler Lyrikpreis (2015). Jüngste Publikation: 21 Gedichte aus Istanbul, 4 Briefe und 10 Fotow:orte. Matthes & Seitz, Berlin 2016. Oliver ist Kurator des von ihm initiierten Literaturfestivals Hausacher LeseLenz.

Näheres: oliverjose.com

Museumsexponate
Als weitere Inspirationsquellen zu unserem Thema haben das Museum am Dom, das Rheinische Landesmuseum und das Stadtmuseum Simeonstift in Trier anlässlich des Luther-Jahres drei Exponate ausgewählt: die Reliquie Abendmahlmesser, das der Legende nach beim letzten Abendmahl Jesu verwendet wurde, eine Bronzeschale aus dem Hochmittelalter (etwa 1200) mit dem Gleichnis vom Barmherzigen Samariter und das Bild „Speisung der Fünftausend“ (1657) von Adriaen van Nieulandt.

Im Luther-Jahr 2017 wird an 500 Jahre Reformation erinnert. 1517 hatte der Theologe Martin Luther seine Thesen zum Handel mit Ablassbriefen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt und damit die Geburtsstunde der evangelischen Kirche eingeläutet.

Mehr Infos zum Luther-Jahr findet ihr hier: luther2017.de

Abendmahlmesser 9. Jh./16. Jh. Eisen, Horn oder Elfenbein, vergoldetes Silberblech Dauerleihgabe der Pfarrei St. Maria und St. Martin aus Trier-Pfalzel (ursprünglich aus St. Maximin, Trier)

Das Abendmahlmesser gehörte zu den bedeutendsten Reliquien der Stadt Trier. Der Legende nach handelt es sich dabei um das Messer, das beim letzten Abendmahl verwendet wurde und durch die heilige Helena nach Trier gelangte.

Tatsächlich muss man das Messer vielmehr als Dolch mit Elfenbeingriff bezeichnen, der wahrscheinlich aus dem Orient stammt und ins 9. Jahrhundert datiert werden kann. Eine Manschette aus vergoldetem Silberblech bezeichnet ihn als „Messer des Herrn Jesus, welches er beim Abendmahl benutze“ (Cultellus Domini Jhesu quo usus fuit in cena).

Es steht sinnbildlich für den Wunsch der Menschen an dem Heilsgeschehen unmittelbar teilnehmen zu können. Gerade im Lutherjahr bietet es jedoch auch die Möglichkeit sich mit einem der wesentlichsten Kritikpunkte Martin Luthers auseinander zu setzten, der geraden den Reliquienglaube, der häufig mit Ablässen verbunden war, stark kritisierte.

Museum am Dom Trier
Das Museum am Dom beherbergt Objekte aus annähernd 1700 Jahren Bistumsgeschichte. Neben einer archäologischen Sammlung, die vor allem frühchristliche Objekte aus Trier umfasst, handelt es sich vor allem um Skulpturen, Malerei, Elfenbeinschnitzereien, Goldschmiedewerke und Paramente.

Schale Hof Mulbach bei Binsfeld, um 1200 Bronze. – Inv. PM 2910. Rheinisches Landesmuseum Trier

Diese Bronzeschale dient im Hochmittelalter zum Auffangen des Wassers beim Händewaschen –beispielsweise vor dem Mahl zu Tisch oder vor Begrüßung eines Gastes. Solche oft kunstvoll gravierten Schalen bleiben als exklusives Geschirr einer wohlhabenden Oberschicht vorbehalten. Daneben werden sie auch in kirchlichem Zusammenhang verwendet.

Auf der Innenseite dieser Schale wird in sechs Szenen mit umlaufenden Beischriften auf Latein das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter erzählt: Ein Reisender verlässt Jerusalem und wird von Räubern überfallen, die ihn ausplündern und schwer verletzen. Ein Priester geht achtlos an dem Unglücklichen vorbei. Ein jüdischer Tempeldiener steht vor dem Beraubten, ohne weiterzuhelfen. Schließlich sieht ein Samariter den Mann und versorgt seine Wunden. Er bringt den Verletzten auf seinem Esel zu einer Herberge.

Das Gleichnis ist eine der bekanntesten Erzählungen aus dem Neuen Testament und gilt als Aufforderung zur Nächstenliebe. Für den ehemaligen Besitzer dieser Schale waren christliche Werte wie Barmherzigkeit, Hilfsbereitschaft oder Gastfreundschaft wohl von besonderer Bedeutung.

Rheinisches Landesmuseum Trier
Das Rheinische Landesmuseum Trier ist eines der wichtigsten archäologischen Museen in Deutschland und dokumentiert 200.000 Jahre Geschichte und kulturelle Entwicklung der gesamten Region von der Urzeit bis zum Ende des 18. Jahrhundert.

Adriaen van Nieulandt (1587 – 1658 in Antwerpen) „Die Speisung der Fünftausend“ 1657, Öl auf Holz Inv. Nr. III.0042 Stadtmuseum Simeonstift Trier

Das Gemälde „Die Speisung der Fünftausend“ zeigt die wunderbare Brotvermehrung durch Jesus. 5000 Männer, Frauen und Kinder werden durch Jesu Wundertat mit nur 5 Broten und 2 Fischen gesättigt. Diese Szene ist besonders im Lutherjahr 2017 von Interesse, da die Wundertaten Jesu unter Calvin und Luther zur moralischen Erbauung, Belehrung und Ermunterung der Menschen herangezogen wurden. „Die Speisung der Fünftausend“ wird zum Symbol der Barmherzigkeit, der Gastfreundschaft und Großzügigkeit gegenüber Freunden und Fremden. In den Niederlanden entstanden seit dem 16. Jahrhundert zahlreiche Darstellungen dieser neutestamentarischen Geschichte. So auch das Werk von Andriaen van Nieulandt im Jahr 1657.

Stadtmuseum Simeonstift Trier
Das Stadtmuseum Simeonstift ist auf die Geschichte der Stadt und der Region vom Mittelalter bis zur Gegenwart spezialisiert. Malerei, Skulptur, Textilien und Kunsthandwerk ab dem 10. Jahrhundert dokumentieren das Leben Triers und seiner Menschen.

Die Jury hat entschieden!