Monatsthemen

und Gewinner

Wo beginnt das Spiel?

Die Jury hat entschieden!

Wettbewerb im Juli 2016

Im Juli feiern wir den Fußball. Es ist EM. Zeit, sich dem Volkssport Nummer 1 der Deutschen zu widmen. Gemeinsam mit Marie T. Martin, ihrem Text „Schlusskonferenz“ und dem Deutschen Fußballmuseum Dortmund fragt lyrix: „Wo beginnt das Spiel?“. Spielt mit dem Fußballspiel und schickt uns eure Texte: zum Thema Fußball oder in der Sprache des Fußballs zu einem ganz anderen Thema.

Schlusskonferenz

Marie T. Martin

Über den Kampf hineinfinden
in die Zukunft oder dein eigenes
System, das du noch immer
nicht durchschaut hast. Du bist
deine Abwehr oder schlägst
als Linksaußen Flanke um Flanke
ins Nichts weil die Spitze weg
gebrochen ist.

Ist jemand aus der Puste
geraten, steht am Spielfeldrand,
ringt die Hände, fragt laut: wo
beginnt das Spiel, wie beschreibst
du die Kurve dieser seltsamen
fliegenden Kugel im All? Abpfiff.
Dunkelheit senkt sich über den
Platz. Deine Fußabdrücke im

taunassen Gras während sich die
Halme langsam wieder aufrichten.

Wir sind gerade mittendrin. In der Fußball-Europameisterschaft 2016. Vor Leinwänden und Fernsehern fiebern wir mit, wenn unsere Mannschaft spielt. Oder genießen einfach nur die Stimmung, auch wenn uns Fußball nicht so interessiert. Gleichzeitig ist dieses Mal aber auch vieles anders. Die Fanmeilen sterben, heißt es in den Medien, z.B. hier. Die WM 2006 hat Public Viewing groß gemacht. Dieses Jahr berichten jedoch viele Veranstalter, dass die Besucherzahlen stark zurückgegangen sind. Woran mag das liegen? An den großen Flachbildfernsehern, die mittlerweile die meisten zu Hause stehen haben? Oder auch an der Angst vor Terroranschlägen? Oder an einer Zurückhaltung, in Zeiten eines neuen Rechtsdrucks die deutsche Fahne zu schwenken? Oder war die WM 2006 einfach einmalig und die Stimmung nicht wiederholbar?

„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, sagte einst der Nationaltrainer Sepp Herberger. Wo beginnt denn eigentlich das Spiel? Das fragt auch Marie T. Martin in ihrem Text „Schlusskonferenz“. Sie beschreibt ein Fußballspiel. Augenblicke, kurze, kleine Aktionen auf dem Spielfeld. „Du bist / deine Abwehr oder schlägst / als Linksaußen Flanke um Flanke / ins Nichts“. Dann der Abpfiff. „Dunkelheit senkt sich über den / Platz“. Und doch ist das Spiel nicht zu Ende: „Deine Fußabdrücke im / taunassen Gras während sich die / Halme langsam wieder aufrichten“. Die Suche geht weiter. Nach dem Platz auf dem Spielfeld – oder im Leben.

 

Schickt uns im Juli Texte zum Thema „Wo beginnt das Spiel?“! Wir freuen uns auf Fußballgedichte! Spielt mit dem Fußballspiel! Feiert den Fußball. Oder seid nachdenklich. Was kann und muss man kritisieren am aktuellen Fußball? Ihr könnt es auch wie Marie T. Martin machen und die Sprache des Fußballs nutzen, um über ein ganz anderes Thema zu schreiben. Wofür kann ein Fußballspiel im übertragenen Sinne stehen?

Wir sind gespannt und freuen uns auf eure fußballerischen Einsendungen!

 

Weiter unten findet ihr noch eine weitere Inspiration zum Thema aus dem Deutschen Fußballmuseum Dortmund: ein Radiogerät aus den 1950er Jahren. Als Deutschland vor 62 Jahren zum ersten Mal Fußball-Weltmeister wurde, besaß fast noch kein Bundesbürger einen Fernseher. Viele Millionen Fans verfolgten damals die Übertragung von Fußballspielen im Radio. Und auch heute noch ist das Radio ein wichtiges Medium für den Fußball: Mit über acht Millionen Zuhörern an jenem Samstag ist die Bundesliga-Schlusskonferenz bis heute die beliebteste Radiosendung der Deutschen.

Die Jury hat entschieden!