Monatsthemen

und Gewinner

Unsere Gewinner im November 2016

Wettbewerb im November 2016

„Es beginnt mit einem Biss“ hieß es im November, als wir mit euch die Albertina in Wien besucht haben. Anselm Kiefers Kunstwerk „Im Gewitter der Rosen ist die Nacht“ und Robert Prossers Gedicht „Spiegel“ regten euch zu euren eigenen lyrischen Kreationen an.

die schlange ist tot, aber du verwandelst dich schon

Josephine Bätz
1996

gott hast du salzschleier vor deinen zähnen
wie gitterstäbe die schneiden ins zahnfleisch
und trennen das flüchtige raus bis blut fließt.

manchmal rücken die häuser zusammen und
machen dir platz weil du sprachlos bleibst
und deine tritte sind leicht für asphalt der kennt das.

die tinte ist trocken behauptet der teufel
und streicht im vorbeigehen über
schmetterlingsflügel; er treibt seinen lohn ein.

Perspektive

Sebastian Frentzen
1998

Biss, Element L, sei gegeben daraus folgt:
Dezent gesetzt und ewig sollt,
ein Drang in meinem Kopf, der still und leise,
sich mir bekennt auf seine Weise.

Biss Wind und Wärme wird vergehen,
Biss kein Baum, kein Apfel wird bestehen.
Wenn ich nun kann dies alles sehen,
dacht ich, ich könnt die Welt verstehen.

Doch deines Geistes Horizont,
deiner Liebe Biss,
zeigt mir eine neue Front,
zeigt mir täglich neu, wie sehr ich dich vermiss.

Ein Stein mag manch Geheimnis wahren
und auf der Suche nach dem richtigen Verfahren,
ist in mir etwas klar und laut,
das einzig dem Gefühl vertraut.

Sind Geist und Herz euch kongruent,
nur dann ist euch die Welt ergeben.
Verzichtet also auf kein Element,
dann ist die Zeit auch nicht vergebens.

Niemand kann das Ganze verstehen,
was jeder aber kann gewiss,
durch lieblich, zarten Liebesbiss,
werdet ihr, wie ich, das Leben in Momenten sehen.

Du öffnetest mir die Augen, dass ich seh
und immerfort und ewig weitergeh,
Biss ich schließlich vor dem Ziele steh
und was die Welt im Innersten zusammenhält mehr und mehr
versteh.

q.e.d.  

Modern Fairytales

Gerrit-Freya Klebe
1996

Es war einmal
eine Königstochter,
die allen Kindern als das
Schneewittchen
bekannt war.
Ihre Geschichte beginnt zwischen zwei Buchdeckeln
und endet beinahe mit dem Biss in einen Apfel.
Rot und saftig, lecker und –
vergiftet.
Die böse Stiefmutter wollte sie umbringen.
Doch in einem modernen Märchen
würde das nicht passieren:
Schwarze Haare, blasse Haut und rote Lippen
sind zwar wieder im Trend,
Modezeitschriften feiern den Schneewittchen-Look für den
Winter.
Doch eine Prinzessin von heute würde zuerst
ein Selfie mit der bösen Stiefmutter machen
und auf Instagram posten.
Dann würde sie den Apfel kunstvoll kleinschneiden,
auf einem Teller drapieren und fotografieren.
#foodporn #healthy
Und jetzt noch schnell googeln,
wie viele Kalorien so ein Apfel wirklich hat.
Auch die Zwerge wären immer online
und würden sich wundern,
wer da zu Hause bei ihrer Mitbewohnerin ist.
So könnten sie rechtzeitig in die 8er-WG kommen
und die böse Stiefmutter überführen.
Ein Boulevard-Blatt würde titeln:
„Lesen Sie jetzt, warum Äpfel ungesund sind.“

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