Monatsthemen

und Gewinner

Du hast Wind gegessen, er schmeckt wie Filzstaub

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Wettbewerb im Oktober 2017

Der frische Herbstwind weht auch bei lyrix: „Du hast Wind gegessen, er schmeckt wie Filzstaub“ heißt unser Thema im Oktober. Wir suchen eure Texte rund um alles, was mit Wind zu tun hat. Wie schmeckt er für euch? Inspiration gibt es von Ilma Rakusas Gedicht „Wind in Teheran“ und dem UV-Druck „After-Effects of the Tear“ des Künstlers Shahryar Nashat, aktuell zu sehen in der Kunsthalle Basel.

Wind in Teheran - für Mahmud Doulatabadi

Ilma Rakusa

Wind hatte ich nicht erwartet
einen Wind der die Blätter umdrehte
an den Kopftüchern zerrte
den Strassenstaub hochblies
Wirbel bildete
der die Sträucher zerwühlte
und Plastiktüten zum Tanzen brachte
Wind von allen Seiten
ohne Unterbrechung
Wind
oben die glühenden Schneeberge
unten das Wüstengrau
und trockene Kehlen
du schluckst
du hast Wind geschluckt
du hast ihn gegessen
er schmeckt wie Filzstaub
er fährt dir in Nase und Augen
verfängt sich in deinem Mantel
du weinst
du weinst nicht aus Trauer
du weinst Wind
er hat keinen Namen
er tut was er will


aus: Ilma Rakusa, Impressum Langsames Licht, Gedichte, Graz – Wien Literaturverlag Droschl 2016

„Du hast Wind gegessen, er schmeckt wie Filzstaub“. Das klingt wie der Anfang einer Geschichte – oder in unserem Falle wie der Anfang einer Geschichte in Gedichtform. Schickt uns Texte, die mit dieser Zeile beginnen oder enden, wandelt sie ab, erfindet sie neu. Erzählt von einer Begegnung mit dem Wind. Wie schmeckt er für euch, wie riecht er, wie fühlt er sich an? Welchen Ort verbindet ihr mit Wind? Einen fremden oder heimischen? An wen müsst ihr denken, wenn der Wind bläst? Schreibt uns von windigen Begegnungen oder schildert uns eine Momentaufnahme mit Wind – eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Erzählt uns lyrische Windgeschichten! Wir freuen uns darauf, eure Texte bei uns hereinwehen zu sehen!

Ilma Rakusa
(*1946) studierte Slawistik und Romanistik in Zürich, Paris und St. Petersburg. Sie lebt als Schriftstellerin, Übersetzerin und Publizistin in Zürich. Zuletzt erschienen der Erzählband "Einsamkeit mit rollendem r" (2014) und der Gedichtband "Impressum: Langsames Licht" (2016). Für ihr literarisches Werk erhielt sie u.a. den Adelbert-von-Chamisso-Preis, den Schweizer Buchpreis und den Berliner Literaturpreis. Sie ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

ilmarakusa.info

 

Shahryar Nashat
Der 1975 in Genf geborene Künstler Shahryar Nashat zeigt in seiner ersten Einzelausstellung in der Schweiz "The Cold Horizontals" in der Kunsthalle Basel (29.9.2017 – 7.1.2018) unter anderem einen neuen Film sowie eine Gruppe von Skulpturen. Seine Arbeiten verknüpfen autobiografische Fragmente mit einer technoid wirkenden Ästhetik.

Die Arbeit After-Effects of the Tear (RAW IMAGE) zeigt eine Nahaufnahme eines männlichen Gesichts aus dessen Auge eine Träne rinnt. Das Bild ist um 180 Grad gedreht, so dass sich das Augenwasser der Schwerkraft entzieht und sich scheinbar seinen Weg nach oben bahnt. Die Fotografie ist auf Formmasse gedruckt, was der Arbeit eine körperliche Präsenz verleiht und sie fast schon skulptural wirken lässt. Mittels der Nahaufnahme eines Körperteils betont Nashat die Fragmentierung des menschlichen Körpers, welche den Gesamtblick vermeidet. Der detaillierte Blick auf die Hautoberfläche und die Tränen inszeniert einerseits eine Intimität und Nähe zum Abgebildeten und hat gleichzeitig aber auch etwas fast Mikroskopisches, Sezierendes durch die Hochauflösung der Hautporen und der Tränenflüssigkeit.

Kunsthalle Basel
Die Kunsthalle Basel ist ein Ort an dem zeitgenössische Kunst ausgestellt, diskutiert und reflektiert wird und dies schon seit ihrer Gründung 1872. Als eine der ersten und aktivsten Institutionen in der Region, die internationale und Schweizer Kunst der Gegenwart zeigt, ist die Kunsthalle Basel insbesondere für ihr tiefgreifendes Engagement für aufstrebende Künstlerinnen und Künstler bekannt. Dies mit der Absicht, anregende künstlerische Praktiken und mutige Ausstellungen einer interessierten Öffentlichkeit jeden Alters zu präsentieren. Mit bis zu zehn Ausstellungen pro Jahr, oft mit neuen Produktionen und begleitet von Künstlergesprächen, Performances und Filmvorführungen, ist die Kunsthalle Basel der Treffpunkt für die Betrachtung von, und Debatten über zeitgenössische Kunst.

kunsthallebasel.ch

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