Monatsthemen

und Gewinner

Panoramablick

Wettbewerb im August 2017

Sommer-lyrix mit Mara-Daria Cojocaru: Im August heißt unser Thema „Panoramablick“. Das gleichnamige Gedicht von Mara-Daria Cojocaru bietet euch dabei ebenso Inspiration wie der digitale Druck „Dither“ von Rosa Menkman, deren Werkgruppe „DCT:SYPHONING“ in der Ausstellung „Glitch Art“ im Schafhof – Europäisches Künstlerhaus Oberbayern zu finden ist. Schickt uns eure Texte! Wir freuen uns!

PANORAMABLICK (AT THE PLAYGROUND WITH THE KID)

Mara-Daria Cojocaru

Da
Bedeutet ihm die Ziege
Kopfschief
Ihr gefiele sein Gesicht, wie
Er lache, blinzle oder
Anstrengungen in diese Hinsicht mache
Herr Goselmanu sagt

Ja, das war meine Frage
Findet ihr uns, vielleicht, manchmal
Schön
So wie ich euch
Finde, suche, sage
Euch, den ganzen Tag, die ganzen Jahre
Dass ich euch liebe
Ich gieße Licht in Gold
Gold in Licht, reich
Das Füllhorn euch
zurück
Ich rutsche, du rutschst mit
Ich verschütte mich
Leide an deiner Seidenmilch, an alledem
Was du nicht siehst und doch
Zum Ausdruck bringst

Was
Bedeutet ihm die Ziege
Sie sähe in wie niemand anders
Ganz

(Aus: Mara-Daria Cojocaru. Anstelle einer Unterwerfung, Schöffling & Co, 2016)

„Panoramablick“ heißt der Text unserer Monatspatin Mara-Daria Cojocaru und unser Thema im August. Welche Bilder gehen euch bei dem Wort „Panoramablick“ durch den Kopf? Vielleicht wie uns Urlaubsmomente? Jetzt, im Sommer, denken wir sehnsüchtig an fremde Orte: Ein Panoramablick auf das Meer, von den Bergen ins Tal oder aus einem Zimmer auf den Urlaubsort. Das klingt gut. Freie Sicht, ein Ausblick, Entspannen, Gedanken treiben lassen, Idylle. Oder klingt „Panoramablick“ doch eher nach Werbetexten, die mehr versprechen als sie halten? Bettenhochburgen, überfüllte Strände, all you can eat-Buffet und Animation?

Oder seht ihr den „Panoramablick“ so wie Mara-Daria Cojocaru eher im übertragenen Sinne? Als Überblick zu einem Thema? Oder als Möglichkeit, auf eine Person zu blicken oder sie gar zu erkennen?

Was
Bedeutet ihm die Ziege
Sie sähe in wie niemand anders
Ganz

Hier gewinnt der Gedichttitel noch eine ganz andere, doppelte Bedeutung. Denn hier blickt die Ziege auf den Menschen und nicht wie üblich der Mensch auf das Tier. Und damit Ziegen herannahende Gefahren besser sehen können, haben sie horizontal geformte Pupillen, die ihnen ein panoramaartiges Sichtfeld geben: einen Panoramablick.

Wenn euch übrigens interessiert, auf welche Ziege Mara-Daria Cojocaru in ihrem Text Bezug nimmt: Es gibt tatsächlich transgene Ziegen, die „Seidenmilch“ produzieren. Forscher haben Spinnengene in das Erbgut dieser Ziegen integriert, um aus ihrer Milch die begehrte Spinnenseide zu gewinnen.

Wir sind sehr gespannt, womit ihr „Panoramablick“ assoziiert und freuen uns auf eure Texte im August! Wir wünschen euch schöne Ferien und Urlaubstage und allen, die lernen und arbeiten müssen, sommerliche Entspannung zu Hause!

Mara-Daria Cojocaru
 ara-Daria Cojocaru, *1980 in Hamburg, hat in München an der LMU Politikwissenschaft, Philosophie, Theaterwissenschaft und Recht als Nebenfach studiert und wurde 2011 mit einer Arbeit in der politischen Philosophie promoviert. Sie ist Dozentin für praktische Philosophie an der Hochschule für Philosophie München SJ. 2015/16 war sie als DFG-Forschungsstipendiatin am Philosophie- Department Sheffield; weitere Auslandsaufenthalte in Südafrika und in den USA. Aktuell lebt sie in München und London.

2007 Teilnahme an der Autorenwerkstatt des Lyrik Kabinetts in München unter der Leitung von Christian Döring. 2015 Teilnahme am Lyrikseminar „alles dicht“ der Bayerischen Akademie des Schreibens, sowie Finalistin beim Literarischen März in Darmstadt. 2008 erschien der erste Lyrikband, „Näherungsweise“, in der Lyrikedition 2000. Regelmäßige Beiträge zum Jahrbuch der Lyrik seit 2009. Einzelne Gedichte sind erschienen in Zeitschriften, darunter auch erste Veröffentlichungen von Gedichten in englischer Sprache. „Anstelle einer Unterwerfung“, erschienen bei Schöffling & Co. im Herbst 2016, ist ihr zweiter Gedichtband.

maradariacojocaru.weebly.com

DCT:SYPHONING. Dither (2015)
Rosa Menkman

Rosa Menkman, geboren 1983 in Arnhem, lebt und arbeitet in Amsterdam. Sie ist Autorin des „Glitch Studies Manifesto“ und wirkte an den GLI.TC/H-Festivals in Chicago und Amsterdam mit.

Die Künstlerin und Theoretikerin Rosa Menkman befasst sich mit Artefakten des visuellen Rauschens, die aus Störungen in analogen sowie digitalen Medien resultieren (z. B. Glitch-, Kodierungs- und Rückkopplungsartefakte). Entgegen der allgemeinen negativen Wahrnehmung dieser Störungen betont Menkman ihre positive Dimension. Die Artefakte liefern einen wichtigen Einblick in die Struktur der elektronischen Medien.

Der Titel „DCT:SYPHONING“ kann ungefähr mit „Gleiten durch Bildkompressionen” übersetzt werden. Die „diskrete Kosinunstransformation“ (im Englischen DCT) ist eine mathematische Umwandlungart und wird z.B. bei der Kompression von Bilddateien angewendet.

Rosa Menkman hat das Verständnis vom digitalen Bildaufbau in eine kleine Geschichte verpackt: Am Beispiel des Bildformats JPG, welches auf dem Computer am häufigsten verwendet wird, entwickelte sie einen eigenen, vereinfachten Zeichencode. Ein aus dem neuen Zeichensatz bestehender großer Würfel zeigt einem kleinen Würfel die verschiedenen Möglichkeiten der Bildkompression in der Reihenfolge ihrer Erfindung, in der Qualität und Komplexität zunehmen.

Der digitale Druck „Dither“ zeigt die zweite Station, bei der durch die Technik des so genannten Ditherings die harten Übergänge zwischen den Pixeln unterschiedlicher Farbe oder Helligkeit durch bestimmte Pixelanordnungen (Algorithmen) abgemildert werden und damit für das menschliche Auge natürlicher erscheinen.

Der Begriff „Glitch Art“ wird in der Bildenden Kunst zur Bezeichnung einer Kunstrichtung benutzt, die sich mit der Ästhetik des Fehlers beschäftigt. Der Ausgangspunkt sind sogenannte „Errors” in technologieabhängigen Medien wie z.B. Fotografie, Video und elektronische Bilder. Diese „Fehler” schärfen die Aufmerksamkeit für die bestehenden, uns umgebenden „richtigen” Strukturen. Sie sensibilisieren die Wahrnehmung für das visuelle Umfeld, indem durch die Auffälligkeit von Unregelmäßigkeiten Motive erst wieder sichtbar werden, die in der unablässigen Bilderflut in Medien und öffentlichen Raum so selbstverständlich geworden sind, dass man sie nicht mehr als Bilder wahrnimmt.

Die Werkgruppe „DCT:SYPHONING“ von Rosa Menkman wurde in der Ausstellung „Glitch Art“ zusammen mit Arbeiten des Chicagoer Künstlers Nick Briz im Rahmen des Jahresthemas „STRUKTUR“ am Schafhof – Europäisches Künstlerhaus Oberbayern vorgestellt.

Über den Schafhof – Europäisches Künstlerhaus Oberbayern
Das vielfältige kulturelle Angebot macht den Schafhof zu einem Zentrum zeitgenössischer Kunst, welches als Plattform für kulturelle Begegnungen auf regionaler und internationaler Ebene dient. Mit seinem naturnahen Standort in Freising im Großraum München, der außergewöhnlichen historischen Architektur und dem Café Botanika im Schafhof ist das Künstlerhaus auch ein beliebtes Ausflugsziel.

Schwerpunkte des Künstlerhauses sind das Europäische Kunststipendium, für das drei Atelierwohnungen zur Verfügung stehen, sowie das internationale Ausstellungsprogramm zeitgenössischer Kunst. Die Funktion als professionelles Künstlerhaus wird durch ein breites Begleitprogramm sowie den traditionellen Kunsthandwerkermärkten und dem Skulpturengarten abgerundet. Die Ausstellungen und das Café Botanika sind ganzjährig geöffnet.

Das Ausstellungsprogramm stellt die unterschiedlichsten künstlerischen Positionen zeitgenössischer internationaler und einheimischer Künstler vor. Das Tonnengewölbe im Obergeschoss bietet dabei einen Ausstellungsraum mit überregional einzigartiger Atmosphäre. Das Spektrum der Ausstellungen umfasst alle Sparten der bildenden Kunst, von Malerei und Zeichnung über Bildhauerei und Installationen bis zu Fotografie, Video- und Konzeptkunst.

Die Kunstsammlung des Schafhofs – Europäisches Künstlerhaus Oberbayern umfasst Ankäufe von Arbeiten der Stipendiaten des europäischen Künstleraustauschs und von Exponaten aus Ausstellungen im Schafhof, die das Profil und die Themen des Künstlerhauses in besonderer Weise widerspiegeln.

schafhof-kuenstlerhaus.de