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Licht und Schatten

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Wettbewerb im Januar 2018

Euch allen ein frohes neues Jahr! lyrix startet mit dem Thema „Licht und Schatten“ ins Jubiläumsjahr 2018: Wir feiern dieses Jahr unseren zehnten Geburtstag! Zusammen mit Tristan Marquardt suchen wir im Januar eure Texte rund um den Schatten. Welche Arten von Schatten gibt es und wo ist „Licht und Schatten“ in eurem Leben? Inspiration gibt euch Tristan Marquardts Text „auszüge eines schattenkatalogs“ und das Gemälde „Marktkirche in Halle“ von Lyonel Feininger aus der Pinakothek der Moderne in München. Wir freuen uns auf eure Varianten von "Licht und Schatten"!

auszüge eines schattenkatalogs

Tristan Marquardt

deckschatten
form von schatten, die bei dunkelheit in lichtkegeln auftritt. trägt auf die schicht licht, die eine lichtquelle auf die dunkelheit gelegt hat, eine weitere schicht dunkelheit auf.

abschatten
tritt ebendort auf, funktioniert aber genau umgekehrt: negiert das licht und macht die darunter liegende schicht dunkelheit wieder sichtbar.

hubschatten
positive variante des abschattens. negiert das licht nicht, sondern hebt die dunkheit unter dem licht hervor. bei hubschatten wechseln licht und dunkelheit die seiten.

kehrschatten
rückseite eines schattens, die nur von jenen (dingen) wahrgenommen werden kann, auf die der schatten fällt.

schattenschatten
schatten, den ein schatten wirft.

möglichkeitsschatten
ist im fall kompletter dunkelheit jener schatten, der sichtbar würde, wenn es nicht dunkel wäre.

schattenspur
vergangenheitsform eines schattens.

schattenheit
form von dunkelheit, die nicht durch die allgemeine abwesenheit von licht entsteht, sondern durch eine so große häufung an schatten, dass jeder ort, an dem licht sichtbar werden könnte, ausbleibt. bei schattenheit ist das licht zwar anwesend, kommt aber nicht zum ausdruck.

 

aus: Tristan Marquardt, das amortisiert sich nicht: Gedichte, kookbooks 2013

Wir sind gewohnt, dual zu denken: hart oder weich, gut oder schlecht, groß oder klein. Gegensätze, die sich bedingen. So auch unser Thema im Januar „Licht und Schatten“. Das eine gibt es nicht ohne das andere. Gerade zum Jahreswechsel beschäftigen sich viele von uns mit der Frage: Wo war es im abgelaufenen Jahr hell oder dunkel in meinem Leben? Im übertragenen Sinne assoziieren wir den Schatten auch mit der Seele eines Menschen. Er folgt uns und kommt er abhanden, wird dies mit einem Verlust oder einer Spaltung der Persönlichkeit gleichgesetzt. Oft gruseln wir uns vor Schatten. In Horrorfilmen wird mit Schattenspielen Spannung aufgebaut, sie können etwas Dämonisches haben oder auch unser dunkler Doppelgänger sein, unser schlechtes Gewissen, das uns einholt. Ganz konkret kann der Schatten auch als Uhr oder Kalender dienen. Die Schattenlänge und -richtung zeigt uns den Stand der Sonne an.

Tristan Marquardt sammelt in seinen „auszüge[n] eines schattenkatalogs“ verschiedene Schattenarten und definiert sie. Vielleicht möchtet ihr seine Aufzählung fortführen und weitere Formen von Schatten beschreiben? Oder ihr erweckt den menschlichen Schatten zum Leben und gebt ihm eine eigene Persönlichkeit? Ihr könnt Horrorgedichte schreiben oder Gedichte über eine bestimmte Tages- oder Jahreszeit, deren Stimmung sich im Spiel von Licht und Schatten spiegelt. Vielleicht möchtet ihr auch von "Licht und Schatten" in eurem Leben schreiben. Wir sind sehr gespannt, wie ihr das Thema interpretiert und freuen uns auf eure Einsendungen!

 

 

Tristan Marquardt
Geboren 1987 in Göttingen, ist Lyriker und Literaturvermittler. Er lebt in München und Zürich. Sein Debüt „das amortisiert sich nicht“ erschien 2013 bei kookbooks, 2017 gab er mit Jan Wagner die Anthologie „Unmögliche Liebe. Die Kunst des Minnesangs in neuen Übertragungen” bei Hanser heraus. Er ist Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13. Seit 2012 kuratiert er die Lesereihe meine drei lyrischen ichs in München. Marquardt ist Mitinitiator des Großen Tags der jungen Münchner Literatur und der Initiative Unabhängige Lesereihen.

LYONEL FEININGER
Marktkirche in Halle, 1930
Öl auf Leinwand, 102 x 80,4 cm

Lyonel Feininger, in New York als Sohn eines deutschstämmigen Musikerehepaars geboren, wurde 1919 als erster Maler von Walter Gropius ans Bauhaus in Weimar berufen, wo er die Grafikwerkstatt leitete. Feiningers berühmter Holzschnitt einer zum Sternenhimmel hinaufragenden gotischen Kathedrale illustrierte das erste Bauhausmanifest und seine utopische Vision vom Gesamtkunstwerk. Es scheint fast so, als habe Feininger mit seinen Kirchenbildern das Bauhaus nochmals an den mittelalterlichen Bauhüttengedanken erinnern wollen. Denn mit dem Umzug von Weimar nach Dessau im Jahr 1925 hatte die Schule endgültig den Wechsel vom künstlerischen Handwerk zur Industrieform vollzogen. Dieser Tendenz mochte Feininger nicht folgen, weshalb er in Dessau kein Lehramt mehr übernahm.

Das Bild „Marktkirche von Halle“ gehört zu einer zwischen 1929 und 1931 entstandenen Serie von Ansichten Halles und zeigt die aus dem frühen 16. Jahrhundert stammende Marienkirche von Osten, davor den bevölkerten Marktplatz und am rechten Bildrand den so genannten Roten Turm. Durch den Größenunterschied zwischen Figuren und Architektur wie durch die prismatische Auffächerung erscheint der Bau der Erde entrückt, nach oben und mithin zum Geistigen hinaufstrebend. Die gotische Kirche wird so, ganz im Sinn der Romantik, zur architektonischen Utopie einer Sehnsucht nach dem Unendlichen. Häufig hat man deshalb Caspar David Friedrich zu den künstlerischen Ahnherren Feiningers gerechnet, obgleich Feiningers Ansichten alter Städte und Dörfer formal durchaus zeitgenössisch vom Kubismus und besonders von den Eiffelturmbildern Robert Delaunays beeinflusst sind.

HIER könnt ihr euch das Bild ansehen.

Die Pinakothek der Moderne
Die Pinakothek der Moderne ist das Museum für Kunst, Graphik, Architektur und Design. Die einzigartige Vielfalt der Ausstellungen begleitet ein reichhaltiges, inspirierendes Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm. Die Besucher erleben einen Ort des sinnlichen und geistigen Vergnügens, der Begegnung, des Entdeckens und Forschens – inmitten des Kunstareals München.

 

 

Die Pinakothek der Moderne ist Speicher und Gedächtnis der Kunst und Gestaltung im 20. und 21. Jahrhundert und zugleich Forum der Diskussion über Themen und Strömungen der Gegenwart. Die Grundlage dafür bilden ihre vier historisch gewachsenen Sammlungen, die stetig erweitert und digital erschlossen werden. Die Pinakothek der Moderne lädt zur aktiven Teilnahme ein, anregend, komplex, offen.

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