Monatsthemen

und Gewinner

Der Morgen war von heller Röstung

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Wettbewerb im Mai 2018

lyrix mit dem perfekten Start in den Tag: einer Tasse Kaffee. Oder nicht? Womit kommt ihr gut in den Tag? Wie startet euer Morgen? "Der Morgen war von heller Röstung" heißt unser Thema im Mai. Mit dabei: Das Gedicht "Vor der Tasse" von Guy Helminger und eine Kaffeekanne aus dem Lëtzebuerg City Museum, Luxemburg. Wir freuen uns auf eure Texte rund um den Morgenkaffee!

Vor der Tasse

Guy Helminger

Als ich das Wasser im Hahn weckte
lagen nur benutzte Kaffeefilter vor mir
Nachrichten von der Jenseitsplantage
Gebetssatz die Ernte nicht die Bohne
wert Der Morgen war von heller
Röstung und ich dachte man muß nicht
wie ein Priester aussehen um ein
Schaf zu schlachten Erst kam das
Rauschen der Bäume dann der Flüsterer
erst der Hamster dann das Rad für ihn
Visionen die Sorte ausm Hochland die
einem die Lunge leeren beim Atmen und
man fragt sich: Wie ausdauernd ist der
Schnee um so hoch auf die Berge zu
kommen? Koffeinschmelze So viel
Unsinn der wie ein Lichtstrahl wirkt
morgens durch das kleine Fenster
Wieso denke ich schon in aller Frühe
über Religion nach?
Vielleicht weil ich
Gott atmen hören kann wenn er abends
das Licht dimmt

 

aus: Guy Helminger, Libellenterz. Editions Phi, Echternach 2010

„Wer früher wach ist, schafft mehr Kaffee.“* Unser aktuelles Thema ist für alle Kaffeesüchtigen unter euch, die morgens ohne die erste Tasse Kaffee nicht in den Tag kommen. Oder lässt euch die „Wissenschaft“ um die richtige Sorte, Röstung und den perfekten Mahlgrad kalt und ihr haltet nichts vom bisweilen Hipster-Kaffeekult? Chemex, Handfilter, Cold Brew – Ist das eure Welt oder versteht ihr nur Bahnhof?

Guy Helminger beschreibt in seinem Gedicht „Vor der Tasse“ eine Morgensituation: Das lyrische Ich beginnt seinen Tag mit der Zubereitung seiner ersten Tasse Kaffee und lässt dabei seine Gedanken schweifen. Immer wieder kreisen die Bilder und Assoziationen doppeldeutig rund um das braune Heißgetränk: „Jenseitsplantage“, „Gebetssatz“, „Koffeinschmelze“ oder unsere themengebende Zeile „Der Morgen war von heller / Röstung“.

Welche Assoziationen kommen euch zu dem Thema in den Sinn? Schickt uns Texte über euren Morgen. Wie startet er? Wie sieht er aus? Ist ein Kaffee morgens ein Muss für euch? Welche Gedanken kommen euch beim Zubereiten eurer ersten Tasse? Dichtet dem Kaffee euer Gedicht. Wie mögt ihr ihn? Oder was mögt ihr nicht am Kaffee(kult)? Wir sind gespannt auf eure Ideen!

Und zum Schluss noch ein wenig Kaffeewissen. Was ist eigentliche eine „helle Röstung“?

Rösttemperatur und Röstdauer bestimmen sowohl die Farbe als auch den Geschmack des Kaffees. Je länger die Bohnen geröstet werden, desto dunkler fällt ihre Farbe aus und umso intensiver ist der Geschmack. Helle Röstungen sind schonend und langsam geröstet. Kaffeebohnen werden oft bis zum „Second Crack“ geröstet, die helle Röstung ist nach dem „First Crack“ vollendet. Das ist die Mindestdauer, die eine Kaffeebohne geröstet werden muss – denn vor dem ersten „Krachen“ ist der Röstprozess nicht abgeschlossen. Somit hat Kaffee aus heller Röstung einen individuelleren Geschmack, da die vielen Aromen [Fruchtaromen bis hin zu Zitrusnoten], die in der Bohne stecken, durch die kürzere Röstdauer besser zur Geltung kommen.

 

*instagram.com/schwarzer.kaffee

Guy Helminger
wurde 1963 in Esch / Alzette geboren, lebt seit 1985 in Köln. Er schreibt Gedichte, Romane, Hörspiele, Theater. 2002 erhielt er den Förderpreis für Jugend-Theater des Landes Baden-Württemberg, im selben Jahr den Prix Servais für "Rost". Im Jahre 2004 wurde ihm anlässlich der 28. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt der 3sat-Preis zugesprochen. Seine Geburtsstadt verlieh ihm 2006 den Prix du mérite culturel de la ville d’Esch. 2015 PostPoetry-Preis. 2016 Dresdner Lyrikpreis.

Letzte Veröffentlichungen:
Guten Morgen, Ihr Völker. Uraufführung im Kasemattentheater 2017
Performance. Monolog. Uraufführung in Luxemburg, Théâtre du Centaure 2016
Rost. Stories. Capybarabooks 2016
Venezuela. Drei Stücke. Theater. Capybarabooks 2015
Neubrasilien. Roman. Eichborn 2010
Morgen war schon. Roman. Suhrkamp 2007

Kaffeekanne mit Tülle endend in der Form eines Greifvogelkopfes
Fayence
Vor 1787
Hergestellt von Boch in Septfontaines (dt. Siebenbrunnen)
Blumendekor in blauem Camaieu
Blütenzweigmotif

Im Jahr 1766 eröffnen die Gebrüder Boch eine auf Fayence spezialisierte Steingutmanufaktur in Septfontaines in der Nähe der Stadt Luxemburg. Die Produkte aus Septfontaines geniessen schon nach kurzer Zeit einen guten Ruf in Luxemburg und in den anderen Provinzen der Österreichischen Niederlande. Geschirr und Gebrauchsgegenstände der Manufaktur Boch gehören bald zum Alltag wohlhabender Familien. Um überregional und später auch europaweit expandieren zu können schließen Jean-François Boch und Nicholas Villeroy im Jahre 1836 ihre Werke zu einem gemeinsamen Unternehmen zusammen. Noch heute trägt das Unternehmen den Namen „Villeroy & Boch“.

Das Blützenzweigmotif auch „brindille“ genannt, findet seinen Urspung in den 1760-1770er Jahren in einer Porzellanmanufaktur im französischen Chantilly. Nach der Gründung der Manufaktur in Septfontaines übernehmen die Gebrüder Boch ebenfalls das „brindille“ Motif, welches sich einer wachsenden Beliebtheit erfreut hat. Noch heute gilt das Blütenzweigmotif auf der Porzellanserie „Vieux Luxembourg“ als zeitloser Klassiker.

Lëtzebuerg City Museum
Seit 1996 befindet sich das Historische Museum im Herzen der Altstadt. Eine umfangreiche Dauerausstellung sowie regelmäßig stattfindende Wechselausstellungen machen die über tausendjährige Geschichte Luxemburgs auf originelle Weise begreifbar. Schon die Architektur des Museums kommt einem Streifzug durch die Geschichte gleich: Das Museum wurde in ein Ensemble aus vier Bürgerhäusern des 17. bis 19. Jahrhunderts eingebaut, die auch noch mittelalterliche Strukturen aufweisen. Beeindruckende sechs Etagen stehen dem Besucher zur Erkundung offen.

Sammlungen und Ausstellungen
Das Lëtzebuerg City Museum ist ein gesellschaftlichen Themen zugewandtes Haus mit außerordentlich vielfältigen Sammlungen. Gleichsam als Abbild der Stadt besteht das Museum aus zwei Teilen: Während die unteren Etagen die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte beherbergen, werden in den oberen Stockwerken Wechselausstellungen präsentiert. Diese thematisieren verschiedene Epochen der Stadtgeschichte, widmen sich aber auch aktuellen Themen.

Dauerausstellung „The Luxembourg Story“
Die Ausstellung bietet dem sowohl lokalen wie auch ausländischen Publikum eine kompakte Einführung in die Stadtgeschichte, mit einer entsprechenden Auswahl an Objekten, Filmen und Tondokumenten, Fotos und Multimedia-Anwendungen. Der Bereich „Zukunftsperspektiven“, nahe beim Museumsempfang, widmet sich der Ordnung des städtischen Raumes: ein großes 3D-Modell im Maßstab 1:2.500 sowie ein interaktiver Medientisch erlauben es den Besuchern, sich mit gegenwärtigen und zukünftigen Fragen des Urbanismus vertraut zu machen. Neben über 500 Originalobjekten weist The Luxembourg Story mehrere interaktive Stationen auf, an denen Informationen vertieft werden können. Neue Multimedia-Animationen der Modelle im Maßstab 1:666, welche die Stadt in historischen Schlüsselmomenten zeigen, bereichern den Rundgang.

citymuseum.lu

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