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und Gewinner

Aus der Planierraupe ist ein Parkplatz geschlüpft

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Wettbewerb im Dezember 2017

Endspurt 2017: Unser letztes Thema in diesem Jahr heißt „Aus der Planierraupe ist ein Parkplatz geschlüpft“. Welche Texte entschlüpfen euch dazu? Inspiration gibt es von Ulrich Kochs Text "VERSUCH ÜBER DIE EVOLUTION" und einer Eichenscheibe aus dem Museum Lüneburg. lyrix wünscht euch eine schöne Weihnachtszeit und freut sich auf eure Gedichte!

VERSUCH ÜBER DIE EVOLUTION

Ulrich Koch

Aus der Planierraupe ist ein Parkplatz geschlüpft,
nachtschwarze Flügelfläche, die an der Erde klebt,
aufgeraut von den Laternen, wenn ihr Licht
im Abendwind weht. Parkbuchten,
in die Wellen Scheinwerferlichts rollen,
mit Laub schäumen.
O frisches farbloses Nichts, über das
die Einkaufswagen des Discounters,
Skelette in der Krabbelgruppe, kriechen.
O Teer, angepasst an die Birkenrinde des Verfalls,
wirst du verblassen mit den Jahren, uns
einen Sternenhimmel aus Kaugummis hinterlassend,
Erdpech in den Nähten des Asphalts, Ameisenstaaten
in den frostgesprengten Narben,
die trockene Haut des Elefanten.
Kurz bevor wir uns ein letztes Mal
über das offene Grab des Kofferraums beugen,
in das wir Süßstoff, Scheißpapier und Körperteile legen,
nur um endlich weiter-, weiterzufahren
durch die Spiegelschrift der Pfützen,
ist der Spracherwerb abgeschlossen,
und wir bewundern heimlich
den aufrechten Gang der Bäume.
Das Nummernschild leuchtet, fast ein Name.
Auf einmal schmeckt alles anders.
Wenn man den Zeigefinger befeuchtet
und damit die Sonne berührt,
zischt sie wie ein Igel.

 

(aus: Ulrich Koch, Selbst in hoher Auflösung, Jung und Jung 2017)

Evolution: die fortschreitende Entwicklung von Lebewesen zu komplexeren Formen. Aber was mutiert in Ulrich Kochs „Versuch über die Evolution“? Und wer muss sich hier wem anpassen? Die Stadt dem Menschen oder der Mensch anderen Kräften? „wir bewundern heimlich / den aufrechten Gang der Bäume.“ Überholen sie uns in der Entwicklung? Und was ist mit dem, was ursprünglich von Menschenhand geschaffen wurde? Parkplätze, Laternen, Einkaufswagen. Sie alle entwickeln ein Eigenleben in Ulrich Kochs Text. Organisch pflanzen sie sich fort, aus Raupen schlüpfen keine Schmetterlinge, sondern Parkplätze. „O frisches farbloses Nichts“ – was machst du mit uns? Irgendwie verloren, einsam lässt du uns zurück.

Welche Texte entschlüpfen euch zum Dezember-Thema? Lasst ihr auch Städte wachsen und wuchern? Was bleibt in euren Texten: der Mensch, das von Menschen Geschaffene oder die Natur? Werden Stadt und Natur eins und pflanzen sich gemeinsam fort? Wer setzt sich durch in eurem „Versuch über die Evolution“? Wir sind gespannt, was euch einfällt zum Thema „Aus der Planierraupe ist ein Parkplatz geschlüpft“!

Euch allen wünschen wir eine schöne Weihnachtszeit und hoffen auf ein Wiedersehen und -lesen im neuen Jahr!

Ulrich Koch
Geboren 1966 in Winsen an der Luhe, lebt östlich von Lüneburg. Er veröffentlichte Gedichtbände im Residenz Verlag, in der Lyrikedition 2000 sowie im poetenladen Verlag. Ausgezeichnet wurde er u.a. mit dem Hugo-Ball-Förderpreis.

2015 erschien der Band „Ich im Bus im Bauch des Wals“ in der Edition Azur, im Herbst 2017 folgte "Selbst in hoher Auflösung" bei Jung & Jung.

Baumscheibe einer Stieleiche, Forsthaus Tiergarten, Lüneburg
Diese Eiche keimte im Jahr 1726 und erreichte ein Alter von 253 Jahren. Sie musste gefällt werden, weil sie bei einem Gewitter auseinandergebrochen war und auf das Forsthaus zu fallen drohte.

Diese Eiche

  • erwuchs aus einer Eichel, die 1726 keimte
  • erreichte ein Alter von 253 Jahren (nach Jahrringzählung)
  • stand bis zum 3.Juli 1979 am Forsthaus Tiergarten
  • musste gefällt werden, weil sie bei einem Gewittersturm auseinandergebrochen war und damit zur Gefahr für das Forsthaus geworden war.

Die Scheibe

  • misst in der Längsachse ca. 1,50 m, in der Querachse ca. 1,30 m
  • ist ca. 30 cm dick
  • hat einen Umfang von ca. 4,6 m
  • wiegt ca. 335 kg

Museum Lüneburg – Natur. Mensch. Kultur
Hier gehen Besucher anhand von rund 1.300 Exponaten aus Naturkunde, Kulturgeschichte und Stadtarchäologie auf eine spannende Entdeckungsreise und erleben die vielseitige Geschichte der Hansestadt und der Region Lüneburg vom Erdaltertum bis heute! Herausragende Sammlungsstücke von überregionaler Bedeutung sind beispielsweise die historische Kopie der monumentalen Ebstorfer Weltkarte aus dem 13. Jahrhundert, ein sieben Meter langer Falttisch aus der herzoglichen Burg auf dem Kalkberg und die „Lüneburger Diamanten” – Boracit und Lüneburgit aus der naturkundlichen Sammlung.

Wechselnde Sonderausstellungen ergänzen das Angebot – so ist beispielsweise bis 18. Februar 2018 die Wanderausstellung „Der Wolf. Ein Wildtier kehrt zurück“ des Landesmuseums Hannover zu sehen. Sie lädt Kinder und Erwachsene dazu ein, die Lebensweise der Wölfe näher kennenzulernen und in die Welt dieser faszinierenden Wildtiere einzutauchen. Die vom Landesmuseum Hannover und dem niedersächsischen Wolfsbüro konzipierte Ausstellung räumt dabei mit Vorurteilen und Klischees auf und zeigt anschaulich, wie Schutz vor Wölfen und für Wölfe sinnvoll gestaltet werden kann.

Außerdem ist das Museum Veranstaltungsort für jährlich rund 200 Vorträge, Konzerte, Lesungen und vieles mehr. Das museumspädagogische Programm für Kindergärten und Schulklassen sowie Kindergeburtstage bietet vor allem für Kinder und Jugendliche spannende Themen. Eine entspannte Pause genießen die Besucher im Museumscafé LUNA beim frischgebackenem Kuchen und Kaffee aus einer Lüneburger Rösterei.

museumlueneburg.de

 

 

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