Richtung Zukunft: lyrix-Rückblick auf die Frankfurter Buchmesse 2015

von Carolin Kramer

„Warum ich dich mehr liebe als jeden anderen? Weil du schreibst.“ – so das Zitat eines indonesischen Dichters, das in großen Lettern vor der Halle des Gastlands Indonesien auf der Frankfurter Buchmesse stand. Die Liebe zum Schreiben verbindet auch die lyrix-Preisträger, die sich auf der Messe trafen, um aktuelle Texte zu lesen, gemeinsam zu schreiben und über Lyrik zu diskutieren. Zusammen mit ehemaligen Preisträgern und zeitgenössischen Lyrikern warfen sie einen Blick Richtung Zukunft und kreisten rund um die Frage: lyrix – und was dann?

Wie immer gab es auf der Frankfurter Buchmesse ein Wiedersehen von neuen und alten lyrix-Bekannten. Das Besondere an diesem Mal war aber, dass Preisträger aufeinandertrafen, die dem Wettbewerb gerade entwachsen (sind). Sie stehen nicht nur vor der Frage, was sie nach der Schule machen wollen – studieren, ins Ausland gehen oder wie im Fall von lyrix-Preisträger Moritz Schlenstedt eine Ausbildung zum Winzer beginnen -, sondern auch vor der Entscheidung, in welcher Form sie weiter schreiben.
Martin Piekar, selbst ehemaliger lyrix-Preisträger, hat den Übergang in die junge Lyrikszene geschafft. Er ist Mitglied des Frankfurter Autorenkollektivs sexyunderground und hat seinen ersten Lyrikband „Bastard Echo“ 2014 im Verlagshaus Berlin veröffentlicht. Von seinen Erfahrungen hat er den aktuellen lyrix-Preisträgern bei einem Schreibworkshop im Café Maingold erzählt. Julia Fourate, Laura Irmer, Moritz Schlenstedt und Ansgar Riedißer konnten gemeinsam mit Martin aktuelle, eigene Texte besprechen und intensiv über Assoziationen, Wortbedeutungen und Empfindungen diskutieren. Am Abend zuvor hatten sie bereits Gelegenheit, ihre Texte im Rahmen der kleinen Lesung „Dichte Geschichten 5.0“ im Club Orange Peel zu präsentieren. Dort saß ein weiterer „alter »lyrix«-Hase“ im Publikum: Kai Gutacker, Preisträger der ersten Stunde, der immer noch schreibt und »lyrix« auch nach Jahren die Treue hält.

lyrix-Preisträger und Mitglieder des Autorenkollektivs sexyunderground nach ihrer Lesung im Orange Peel (Foto: lyrix e.V.)
Schreibwerkstatt mit Martin Piekar im Café Maingold (Foto: lyrix e.V.)
Schreibwerkstatt mit Martin Piekar im Café Maingold (Foto: lyrix e.V.)

Alle lyrix-Preisträger, aktuelle und ehemalige, kamen Sonntag, zum Abschluss der Buchmesse am Deutschlandradio-Stand zusammen, um dem Messepublikum ihre Texte in Kurzlesungen vorzustellen. Gesprächsgast bei den Kurzlesungen war auch Max Czollek, Lyriker und Kurator von Babelsprech, einer Plattform für junge deutschsprachige Lyrik. Gerade frisch erschienen ist die Anthologie „Lyrik von Jetzt 3“ (Wallstein Verlag), die er gemeinsam mit Michael Fehr und Robert Prosser herausgegeben hat. Neben Max Czollek nahm sich auch Daniela Seel, Lyrikerin und Verlegerin von kookbooks, viel Zeit für einen Austausch mit den lyrix-Preisträgern. Beide machten Mut und zeigten Perspektiven, wie es für die jungen Schreibenden nach lyrix weitergehen könnte, so dass aus der Frage „lyrix – was dann?“ ein „lyrix – und dann“ wird.

Laura Irmer (lyrix-Preisträgerin) bei einer Kurzlesung am Deutschlandradio-Messestand (Foto: lyrix e.V.)
Ansgar Riedießer (lyrix-Preisträger), Max Czollek (Babelsprech) und Christian Sülz (Deutschlandradio) (Foto: lyrix e.V.)

„Fünf Jahre ist es jetzt her, dass ich, damals noch mehr Bücherwurm als Autorin, zum ersten Mal auf der Frankfurter Buchmesse war. Ich hätte mir nicht träumen lassen, in so kurzer Zeit zurückzukommen und meine Gedichte vorstellen zu dürfen. Nun, da ich schon fast zu den „alten Hasen“ des Wettbewerbs gehöre, bin ich überzeugter denn je, dass meine literarische Reise weitergehen soll. Die »lyrix«-Erfahrungen haben mich in meinem Wunsch bestärkt, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen und Schriftstellerin zu werden.“

Julia Fourate (Jahrgang 1994, »lyrix«-Preisträgerin 2014) und ihre Gedanken zur Frankfurter Buchmesse 2015