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Lesereihen in Österreich

von Marko Dinic

 

 

Marko Dinic, freischaffender Autor aus Salzburg, stellt österreichische Lesereihen vor: die Köpfe, die dahinterstehen, die inhaltliche Ausrichtung und die Finanzierung.

Die Tendenz hin zu Lesereihen, die unabhängig von etablierten Literatureinrichtungen agieren, ist nicht nur in Österreich groß. Auch in der Schweiz, Südtirol, vor allem aber in Deutschland sprießen seit Jahren neue Lesereihen, organisiert von meist jungen, studentischen Gruppen für junge studentische Gruppen. Dabei muss festgehalten werden, dass in den seltensten Fällen eine autarke Selbstverwaltung möglich ist und in den meisten Fällen eine lose bis enge Bindung an etablierte Institutionen besteht, ja bestehen muss. Dies ist weniger einem Mangel an Know-How zu verdanken als vielmehr einem eklatanten Gefälle hinsichtlich der Verteilung von öffentlichen Geldern. Dabei spielt auch die inhaltliche Ausrichtung der jeweiligen Lesereihe eine große Rolle. Wollen die Organisatoren*innen ein eher einfaches Programm zur Förderung lokaler Autoren*innen, ist die Anbindung an öffentliche Gelder und Institutionen nicht zwingend. Transnational agierende Lesereihen werden es ohne Gelder aus öffentlicher Hand wohl kaum schaffen, ihr Jahresprogramm durchzusetzen. Eine Gemeinsamkeit vieler Lesungen sind freiwillige Spenden. Dadurch können beispielsweise Reisekosten, Honorare oder Unterbringungskosten co-finanziert werden.

Auch wenn sich hieraus keine allgemeine Schlussfolgerung für den gesamten deutschsprachigen Raum ableiten lässt, so will ich in den nachfolgenden Unterkapiteln einige Lesereihen in Österreich anführen, bei denen dies der Fall ist.

1. Text ohne Reiter (Innsbruck)
Die mittlerweile nicht mehr stattfindende Lesereihe "Text ohne Reiter" war eine Zeit lang die wichtigste Adresse, wenn es um junge Literatur in Innsbruck ging. Die 2007 gegründete Lesebühne hatte einen Schwerpunkt in junger österreichischer Literatur und wurde vom Land Tirol sowie der Stadt Innsbruck gefördert. Die organisatorische und kuratorische Tätigkeit fiel einem Vierergespann, bestehend aus Martin Fritz, Robert Prosser, Stefan Abermann und Markus Kozuh, zu. Auch wenn die Lesereihe nur bis 2014 Bestand hatte, machte sie sich auch über Innsbruck hinaus einen Namen, indem immer wieder auch Autorinnen und Autoren aus anderen deutschsprachigen Städten eingeladen wurden.

textohnereiter.com

2. KulturKeule (Salzburg)
Die Salzburger Lesereihe "KulturKeule" ist eine international ausgerichtete Lesereihe für junge, deutschsprachige Literatur. Während ihres bislang fünfjährigen Bestehens lasen über 80 Autorinnen und Autoren aus über zehn verschiedenen Nationen bei der Lesereihe. Neben Themenschwerpunkten finden auch themenunabhängige Abende des Öfteren statt. Dabei übernimmt ein kleines Team rund um das Kunstkollektiv Bureau du Grand Mot die organisatorischen und kuratorischen Tätigkeiten (Auswahl der Lesestätten und Autoren*innen, Moderation, Unterkunft usw.). Die "KulturKeule" findet vier bis fünf Mal im Jahr statt und wird von Geldern aus öffentlicher Hand finanziert, namentlich von der Stadt und vom Land Salzburg. Zusätzlich wird die Lesereihe über freiwillige Spenden und Einnahmen aus der Gastronomie finanziert.

bureaudugrandmot.wordpress.com

3. Original Linzer Worte
Die Lesereihe „Original Linzer Worte“ ist die einzige Veranstaltung dieser Art in Linz. Ausgerichtet auf ein junges, deutschsprachiges Publikum finden einmal pro Monat Lesungen und literarische Themenabende im Salonschiff Fräulein Florentin statt. Auf ihrer Website bezeichnen die Organisator*innen die Veranstaltung als „welterste Lesebühne Linzens. Vom Härtegrad her irgendwo zwischen Linzer Torte und LD-Stahl.“ Einzigartig macht diese Lesebühne auch, dass sie nach dem Prinzip des Open-Stage funktioniert, wobei es sich die Organisator*innen nicht nehmen lassen, jeden Monat eine*n von ihnen eingeladene*n Autor*in auf die Bühne zu bitten. Unterstützt werden die „Original Linzer Worte“ vom Land Oberösterreich und von der Stadt Linz.

linzerworte.blogspot.co.at

4. Montagsbühne (Graz)
Die wahrscheinlich jüngste Lesebühne unter den hier angeführten: Obwohl es in Graz mehrere Literaturveranstaltungen ähnlicher Art gibt, gilt dieser ein besonderes Interesse. Initiiert von Christoph Szalay und Florian Labitsch im Jahre 2015, setzt die „Montagsbühne“ auf ein kuratiertes Programm mit Schwerpunkt auf Autoren*innen aus Graz und dem gesamten deutschsprachigen Raum. Wie der Name halb verrät, findet die Veranstaltung jeden ersten Montag im Monat statt. Als einzige Lesereihe in dieser Liste ist die „Montagsbühne“ sowohl räumlich als auch finanziell gebunden an ein etabliertes Haus, nämlich das Literaturhaus Graz.

literaturhaus-graz.at

5. ALSO – Anno Literatur Sonntag (Wien)
Eine der am längsten bestehenden jungen Literaturreihen in Österreich. Dabei wechselt das Organisationsteam genauso schnell wie das allwöchentliche Programm. Von einer freien Lesebühne bis hin zu einem durchkuratierten Programm, im Café Anno, woher die Veranstaltung auch ihren Namen hat, wurde alles schon gesehen, alles schon durchprobiert. Ein Schwerpunkt dieser Lesereihe ist definitiv die Wiener Literaturszene, wobei des Öfteren auch Autoren*innen aus anderen Städten zu Wort kommen dürfen. Das Besondere an dieser Lesereihe ist auch die hausinterne Literaturzeitschrift „& Radieschen“ (siehe unter: „& Radieschen“), die seit 2007 die Lesungen begleitet. Im Gegensatz zu anderen jungen Lesereihen ist der ALSO nicht durchfinanziert oder an Institutionen gebunden, sondern verwaltet sich fast zur Gänze selbst. Freiwillige Spenden sowie eine recht überschaubare Förderung von Seiten der Kulturförderstelle der Josefstadt erhalten den „Anno Literatur Sonntag“ seit bereits zwölf Jahren am Leben.

annoliteratursonntag.wordpress.com